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Medienvertreter in Winterthur

«Evangelische Allianz ist eine Art Qualitätsmarke»

Die Evangelische Allianz Winterthur dient der Gesellschaft und pflegt gute Beziehungen zu den Behörden. Zum Stadtgottesdienst erscheinen jeweils 1'200 Besucher und Vertreter aller Parteien kommen zum «EAW-Wahlpodium».

Stadtgottesdienst der Evangelischen Allianz Winterthur
Quelle: zVg
Andi Kleeli
Quelle: zVg

Medienvertreter der sechstgrössten Stadt der Schweiz bezeichneten die Allianz bereits als «eine Art Qualitätsmarke». Im Interview mit Livenet gibt Andi Kleeli, Pastor der Freien Christengemeinde Winterthur und Vorstandsmitglied der Evangelischen Allianz Winterthur, einen Einblick in das Wirken der Allianz.

Andi Kleeli, viele Gemeinden und Werke sind in der Evangelischen Allianz Winterthur mit dabei, können Sie die Allianz kurz vorstellen?
Andi Kleeli:
Die Evangelische Allianz Winterthur (EAW) hat vor kurzem ein neues Leitbild formuliert, indem sie sich als «ein Netzwerk von Kirchen und Diensten in der Region Winterthur sieht, welches Jesus Christus bekannt macht, Beziehungen nach innen und aussen pflegt und fördert sowie Mitverantwortung in der Gesellschaft übernimmt». Um als Netzwerk zu wachsen, haben die Mitglieder gerade ein dreistufiges Modell der Mitgliedschaft entwickelt. Damit soll auch kleineren Werken oder Diensten mit ihren Möglichkeiten, eine Verpflichtung zu übernehmen, ein Anschluss an die EAW ermöglicht werden. Unser Ziel ist, ein möglichst breites Abbild des christlichen Engagements in unserer Stadt und Region abzubilden und die einzelnen Kirchen, Werke sowie internationale Gemeindegruppen miteinander zu vernetzen. Diese Sichtweise hat sich aus dem Zusammenwachsen von Freundschaften von Pastoren, Leitern und Pfarrern seit über 20 Jahren entwickelt, in der uns immer wichtiger wurde, aus einer «frommen Isolation» herauszutreten und für unsere Stadt und Region Mitverantwortung zu übernehmen. Zur Zeit gehören der EAW 14 Freikirchen, eine Landeskirche sowie vier christliche Werke als Mitglieder verbindlich an.

Wie wichtig ist die Allianz für den Gemeindestandort der Gegend?
Wie bereits erwähnt standen früher christliche Organisationen der Politik oder Verwaltung recht distanziert oder sogar feindselig gegenüber. Gott sei Dank konnte dieser Graben in vielen kleinen Schritten überwunden werden. Heute akzeptieren Politiker Freikirchen und ihre Sozialwerke als gleichwertige Partner und würdigen ihr Engagement in öffentlichen Auftritten als «unverzichtbar». Ein wichtiger Baustein davon war, glaubwürdige Beziehungen zur Stadtregierung aufzubauen. Dies geschah unter anderem mit einem «EAW-Wahlpodium», zu dem inzwischen alle Kandidatinnen und Kandidaten gerne erscheinen, weil sie verstanden haben, dass auch wir sie ernst nehmen. Ebenso bedeutungsvoll ist es, dass es uns gelungen ist, die «Marke EAW» in den Medien zu positionieren. Ein Journalist drückte es so aus: «Wir sehen die Evangelische Allianz als eine Art Qualitätsmarke» von seriösen Freikirchen in Abgrenzung zu Sekten. Das bedingt allerdings, dass auch wir lernen mussten, Journalisten in ihrer Arbeit ernst zu nehmen und mit ihnen einen seriösen Kontakt zu pflegen. Selber mit einem journalistischen Hintergrund sage ich oft: «Medienvertreter sind auch Menschen mit Bedürfnissen wie wir alle. Wenn wir so normal mit ihnen umgehen, behandeln auch sie uns meist fair.»

Was sind die bisherigen Highlights der Allianz-Arbeit?
Die EAW lebt von und aus den Beziehungen untereinander, von denen viele zu Freundschaften gewachsen sind. Insofern ist jedes Treffen ein Highlight, aber ganz besonders die jährlichen Leiterratsretraiten. Für die meisten Gemeindeleiter sind diese zwei Tage im Jahr fest gebucht. Wir nehmen uns an einem schönen Ort Zeit füreinander und vertiefen uns in die Vision Gottes für unsere Region. Praktisch alle Initiativen sind aus diesen Zeiten herausgewachsen. Inzwischen sind auch Jugendleiter der «Jugiallianz» wichtiger Teil der Rückzugstage. Die jungen Leiter sind daran, den zukünftigen Kurs der Allianz Winti und Region mitzuprägen und die Verantwortung auch für grössere Aktionen oder Events zu übernehmen. Dass wir diese Entwicklung sehen, begeistert uns als Vorstand ausserordentlich!

Aber die Frage nach Highlights richtet sich wahrscheinlich an Aktionen oder Events. Und die gibt's natürlich auch. Ein Höhepunkt ist der jährliche gemeinsame Stadtgottesdienst, zu dem auch dieses Jahr rund 1'200 Teilnehmer erschienen sind. Ziel ist es, miteinander zu feiern und ein bestimmtes Anliegen für Winterthur aufzunehmen. Im vergangenen Jahr stand das Zwingli-Jubiläum im Fokus mit dem Aufruf, unsere Hingabe an Jesus und den Dienst am Nächsten zu erneuern. Ein anderes Highlight, das Wahlpodium zu den Stadtratswahlen, habe ich bereits erwähnt. Bereits fünf Mal haben sich Kandidatinnen und Kandidaten von links bis rechts den «christlichen Fragen» zur Politik gestellt. Und immer war es eines unsere Ziele, dass sie nach der Veranstaltung herausgefordert, aber ermutigt nach Hause gingen. Gewählte Stadträtinnen und Räte bezeugen uns immer wieder, dass sie gerne an dieses Wahlpodium kommen, weil sie mit Respekt, Wohlwollen und Ermutigung rechnen dürfen. Das Ziel wurde erreicht!

Welche Aktionen und Projekte sind als nächstes geplant?
Das jüngste Kind der EAW ist die «DenkBar». Bereits zum zweiten Mal haben sich kontradiktorische, auch nichtchristliche Referenten einem Thema gestellt, dass mit offenem Ausgang diskutiert wird. Das DenkBar-Experiment wurde mit dem Klassiker «Schöpfung oder Evolution?» eröffnet. Zum Anlass erschienen über 400 Besucher und der Abend löste auch in der Regionalzeitung reges Echo aus. Genau das wollen wir auch erreichen, dass erstens vor allem junge Christen zu einem Thema vielfältige Ansichten hören und sich so in einer reifen Art eine eigene Meinung bilden können, und dass eine öffentliche Diskussion auch über brisante Themen geführt werden kann. Dabei vertrauen wir darauf, dass die christliche Botschaft eine starke Kraft zur Überzeugung hat. Das nächste heisse Thema steht Anfang April an.

Was gibt die Allianz der Region?
Während Freikirchen früher unter anderem für ihre Streitigkeiten untereinander bekannt waren, kehrte das markant, als die Gemeinden anfingen, zusammen zu beten und zu feiern unter dem Slogan: «Die Winterthurer Freikirchen, im Stil verschieden, im Glauben eins.» Die Allianz gab so der Öffentlichkeit ein klare Ansage, wie Freikirchen miteinander umgehen. Parallel dazu sind aus verschiedenen Initiativen Werke im Sozial- und Suchtbereich gewachsen, die heute eine starke Stellung in der Region einnehmen. Im Vordergrund stehen etwa die «Quellenhofstiftung» mit ihrem weit verzweigten Angebot für Suchttherapie und Integration von Menschen am Rand der Gesellschaft, der «Läbesruum» als Taglohn-Jobangebot oder die SalZH-Schule, die in der Stadt eine bedeutende Stellung einnimmt. Diese und einige andere Angebote geben zusammen mit dem Wirken der Gemeinden ein vielfältiges Bild des christlichen Zeugnisses in unserer Region wieder.

Wie offen sind die Leute in der Region für den christlichen Glauben?
Wir leben in einer post-christlichen, interkulturellen und vom Individualismus geprägten Gesellschaft. So sind zum Beispiel in unserer Stadt Menschen aus rund 140 Nationen vertreten und natürlich hängen wir auch etwas im Sog von Zürich. Zudem hat Winterthur in den letzten zwei Jahrzehnten eine starke Wandlung von einer Industriestadt zu einer Dienstleistungs-und Bildungsstadt gemacht. Und wir sind politisch gesehen immer noch eine links orientierte Hochburg mit einem, auf der anderen Seite, starken humanistisch geprägten bürgerlichen Flügel. So empfinde ich, dass Menschen in unserer Region dem Glauben eher skeptisch und distanziert gegenüber stehen.

Unsere Herausforderung besteht jedoch darin, die Menschen in ihrer so unterschiedlichen Welt anzusprechen und abzuholen. Inwieweit Menschen offen für den Glauben an Jesus sind hängt deshalb meiner Ansicht nach weitgehend von der Überzeugungskraft jedes einzelnen Gläubigen ab. So hat zum Beispiel die Initiative für Alphalive-Kurse eine ihrer Wurzeln in Winti. Aber dass die Anziehungskraft von Alphalive in einzelnen Gemeinden bis heute funktioniert, ist dem Drive der jeweiligen Gemeinde, respektive ihrer Mitglieder zu verdanken. Andere Vorstösse bewegen sich in Richtung Partyszene, randständige Menschen oder relativ umfangreiche Arbeiten mit Migranten. Dort begegnen wir Menschen in ihrem Umfeld genauso wie mit der Jugendarbeit in einem Wohnquartier. Und durch echt gelebte Beziehungen öffnen sich Leute überall für den Glauben.

Welche Früchte entstehen durch das Miteinander der Gemeinden?
Die ersten Auswirkungen waren vor vielen Jahren, dass sich die Gräben zwischen Evangelikalen, Charismatikern und Pfingstlern auffüllten. Eine wesentliche Rolle als Brückenbauer spielten die «Reithallegottesdienste» der «StiftungSchleife». Dort begegneten viele einer charismatischen Kultur in einer sehr authentischen und kraftvollen Art geprägt durch Geri und Lilo Keller. Im Rückblick stelle ich fest, dass die Reithallegottesdienste wohl nicht nur Winterthur, sondern die Gemeindelandschaft in der ganzen Deutschschweiz unwiderruflich verändert haben. Eine weitere starke Auswirkung der Allianzarbeit ist, dass ein Umdenken in der Stellung zur Gesellschaft stattgefunden hat. Nicht mehr sich fernhalten von der «bösen Welt» ist der Tenor, sondern wie es Jesus formulierte, Licht in die Welt hineinbringen. Damit einher ging auch die Entwicklung, dass wir heute ein Bewusstsein unserer Verantwortung in der Gestaltung unserer Gesellschaft tragen. Viele tragen eine Vision für Stadt und Region in sich, in der sie sich in verschiedensten Bereichen wie der Politik, in der Kunstszene oder in der Quartierarbeit engagieren.

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