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Aus Nordkorea

Die faszinierende Geschichte einer heimlichen Christin

Als Ki (Name geändert) noch ein Kind war und mit ihren Eltern in Nordkorea lebte, kam ihr Vater eines Tages völlig verstört nach Hause und weinte so laut, dass Ki fürchtete, die Nachbarn würden die Polizei rufen. An dem Tag wurde sie in das Familiengeheimnis eingeweiht.

Koreanische Frau (Symbolbild)
Quelle: opendoorsusa.org

Sie dachte, es sei jemand gestorben. Ihre Vermutung bestätigte sich. Der jüngere Bruder ihres Vaters war für seinen Glauben an Jesus Christus hingerichtet worden. Das war der Zeitpunkt, an dem Ki in das Familiengeheimnis eingeweiht wurde: Die meisten ihrer Verwandten waren Christen. Doch Ki wusste, dass die Regierung keinerlei «Bedrohungen» duldete und wollte deshalb nichts mit dem christlichen Glauben zu tun haben. «Ich wollte, dass mein Leben einfach ganz normal weiterlief, deshalb konzentrierte ich mich auf die Schule», erzählte sie Open Doors.

Verkauft

Gleichzeitig wollte sie jedoch Nordkorea verlassen. Als die Regierung ihr die Möglichkeit bot, mit Hilfe eines staatlich gesponserten Studentenprogramms nach China zu gehen, lehnte sie ab. «Mit einem staatlichen Programm ins Ausland zu gehen hätte bedeutet, streng überwacht und kontrolliert zu werden. Wenn ich wirklich gehen wollte, musste ich ganz allein gehen, ohne irgendjemandem etwas davon zu sagen.»

So ging sie einige Zeit nach ihrem Schulabschluss zur chinesischen Grenze und schwamm durch den Fluss, der die beiden Länder trennt. Anschliessend wanderte sie so lange, bis sie in ein Dorf kam. «Menschenhändler nahmen mich gefangen und verkauften mich an einen chinesischen Bauern», erinnert sich Ki. «Er war nicht ganz so schlimm wie die meisten chinesischen Männer, die nordkoreanische Frauen kaufen. Ich hatte ein Kind mit ihm. Trotzdem dachte ich, dass ich mich in dieser Familie niemals zu Hause fühlen würde.»

Das heimliche Treffen

Ihre Schwiegermutter lebte auch bei ihnen im Haus, und mit der Zeit fielen Ki «verdächtige Verhaltensweisen» an ihr auf. An manchen Tagen verliess ihre Schwiegermutter das Haus, ohne jemandem zu sagen, wohin sie ging. «Eines Abends beschloss ich, ihr zu folgen. Sie war lange unterwegs, bis sie schliesslich an einem Ort ankam, wo eine Art Treffen stattfand. Ich sprach sie an. Sie war sehr überrascht, mich zu sehen, lud mich aber ein, dabei zu bleiben. Ich verstand schnell, dass es ein christliches Treffen war und fühlte mich damit sehr unwohl, denn in meinem Heimatland war ich immer gegen den christlichen Glauben gewesen. Doch meine Neugier siegte über meine Angst und ich beschloss, zu bleiben und mehr über Gott zu erfahren.»

Im Gefängnis

So besuchte Ki weiterhin mit ihrer Schwiegermutter die Treffen. Sie wuchs im Glauben und lernte viel über Gott. Nach einer Weile wollte sie ihrer Familie in Nordkorea gerne sagen, dass sie Christin geworden war. Die Grenzüberquerung nach Nordkorea lief jedoch völlig schief. Ki wurde fast umgehend von einer Militärpatrouille festgenommen und ins Gefängnis gesteckt. «Als ich sah, wie unmenschlich man mich und die anderen Gefangenen behandelte, gab ich meinen Lebenswillen auf. Ich zitterte oft und dachte, ich würde meine irdische Familie nie wiedersehen.» Doch nach einiger Zeit spürte sie etwas in ihrem Herzen, dem sie nicht widerstehen konnte. «Es war wie eine unsichtbare Kraft», sagt sie. «Ich spürte es jedes Mal, wenn ich die Hoffnung wieder aufgeben wollte. Diese Kraft war Gott selbst. Er war bei mir und wollte nicht, dass ich aufgab.»

Ki erinnerte sich an Bibelverse, die sie auswendig gelernt hatte, insbesondere Verse aus den Psalmen (Psalm 62, Verse 7-8): «Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott.» Diese sagte sie sich immer wieder auf. «Dann begann ich, Gott um Gnade anzuflehen. Ich wollte einfach nur eine Chance bekommen, gemeinsam mit meiner Familie Gott anzubeten.»

Die Flucht

Nach ein paar Monaten im Gefangenenlager fanden die Gefängniswärter heraus, wer ihre Familie war. Gemäss nordkoreanischer Sitte wurde sie in ein Lager verlegt, das näher an ihrer Heimatstadt lag. Dieses Lager wurde weniger streng überwacht. «Für mich war das ein Zeichen von Gott, dass ich versuchen sollte zu fliehen», erinnert sie sich. «Ich wusste, dass er mich beschützen würde.»

Eines Nachts waren die Wärter betrunken und hatten vergessen, die Tür zu den Baracken abzuschliessen. Ki erzählt: «Ich schlich mich nach draussen und rannte durch das Tor. Mein Herz schlug rasend schnell. Ich hörte nicht auf zu rennen, bis ich zu einem Schild kam, das mir den Weg zu meiner Heimatstadt wies.»

Wieder vereint

Nach ihrer Flucht war Ki endlich mit ihrer nordkoreanischen Familie vereint. «Es war der schönste Moment meines Lebens», berichtet sie. «Wir freuten uns so sehr, einander zu sehen, und endlich konnten wir Gott gemeinsam als Familie anbeten. Ich besuchte später auch Treffen von anderen christlichen Familien. Und langsam wurde mir klar, dass Gott mich jeden einzelnen Schritt meines Weges geführt hatte. Er hatte einen Plan und eine Absicht hinter jeder Erfahrung, egal wie schmerzlich sie auch gewesen sein mochte. Alles hatte dazu gedient, mich darauf vorzubereiten, den Menschen in Nordkorea und China die Gute Nachricht zu bringen. Und zwar zuallererst der nächsten Generation. Aus diesem Grund beschloss ich, zu meiner chinesischen Familie zurückzukehren. Mein Mann und mein Sohn mussten die Gute Nachricht doch auch hören! Es war eine gefährliche Reise. Wie leicht konnte ich erneut festgenommen und schwer bestraft werden. Doch nichts konnte meine Leidenschaft für Jesus Christus stoppen.» Dank der Hilfe verschiedener Menschen kam sie sicher wieder in China an.

«Nie so glücklich wie heute»

Inzwischen ist Ki Mitte 40 und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Südkorea. Sowohl ihr Mann als auch ihr Sohn entschieden sich für Jesus, und Ki sagt, dass sie als Familie niemals glücklicher waren als jetzt. Sie dienen Gott, indem sie eine nordkoreanische Missionsorganisation unterstützen.

«Ich werde meine Kindheit niemals vergessen», erklärt sie. «Es gibt so viele christliche Eltern in Nordkorea, die ihren Glauben nicht mit ihren Kindern teilen können. Das bricht mir das Herz. Ich war früher auch ein Opfer dieser Situation. Doch dank betender Menschen habe ich schliesslich Gott gefunden. Und dank der Gebete meiner Schwiegermutter überlebte ich auch die Zeit im Gefangenenlager. Meine Lebensgeschichte ist ein Zeugnis für die Macht des Gebets. Ich hoffe, dass ich damit alle Brüder und Schwestern im Glauben dazu ermutigen kann, mit uns dafür zu beten, dass Gott Gnade und Gerechtigkeit in mein Land bringt.»

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