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In der Lombardei

Die Kirche, die während des Lockdowns offen blieb

«Bleiben Sie zu Hause», so hiess die offizielle Anordnung seitens der Regierung. Doch was ist mit denen, die kein Zuhause haben? Die in ihrem Auto oder auf Bahnhöfen übernachten? Diese Frage stellte sich eine Gemeinde der Lombardei – und startete ein erstaunliches Projekt.

Im Sontagsschulraum wurde eine Praxis eingerichtet
Quelle: Protestantedigital.com
Das Hauptgebäude der Kirche (ADI) wurde in ein großes Schlafzimmer umgewandelt
Quelle: Protestantedigital.com
Pastor Gennaro Chiocca
Quelle: Protestantedigital.com

Über drei Monate lang blieben die meisten Kirchengebäude Norditaliens geschlossen – bis auf eine Kirche, die ADI (God's Assemblies Italien) in Lodi, nahe bei Milan. Diese Stadt liegt mitten im Zentrum der am stärksten betroffenen Zone des Landes, der Lombardei. Pastor Gennaro Chiocca beschloss zu Beginn des Lockdowns ganz bewusst, seine Gemeinde nicht zu schliessen. Er öffnete sie vielmehr für Menschen, die nicht einfach «zu Hause» bleiben konnten, wie es die Regierung angeordnet hatte, also für obdachlose Menschen.

Schnell verwandelte sich der Versammlungsraum mit Hilfe vieler Freiwilliger in einen provisorischen Schlafraum, ein Sonntagsschul-Raum wurde zur Arztpraxis, ein anderer zum Esszimmer. Draussen im Hof wurden zwei Häuschen mit Duschen installiert.

Ihr Motto findet sich in Jesaja, Kapitel 58, Vers 7: «In der Heiligen Schrift finden wir die Verpflichtung und die Ehre, diejenigen willkommen zu heissen, die 'im Elend ohne Obdach' sind.» Und so fanden hier Bedürftige, überwiegend Immigranten, eine Bleibe – einige von ihnen fanden zudem zum christlichen Glauben und sind jetzt Teil der ADI-Gemeinde.

Ein Gemeinschaftsprojekt

«Es war notwendig, dass gerade in dieser Stadt, die so von Covid-19 angegriffen wurde, die Kirche des Herrn Jesus damit antwortet, das Evangelium zu predigen und auszuleben», so Pastor Chiocca. Unterstützung erhielt die Gruppe Freiwilliger zudem von der Vereinigung evangelische Ärzte Italiens, Ärzte ohne Grenzen, dem Italienischen Roten Kreuz und dem Zivilschutz. «So blieb das Gebäude offen als 'Krankenhaus für Sünder', anstatt geschlossen als 'Museum für Heilige'. Denn gerade die Museen waren ja in die Einschränkungen mit eingeschlossen, nicht dagegen die Krankenhäuser.»

Mehr als Unterschlupf und Essen

Die Freiwilligen der Gemeinde wechselten sich ab, um das Essen vorzubereiten und zu servieren, medizinische Hilfe zu leisten, Lobpreis- und Gebetszeiten zu leiten, mit den Bewohnern zu spielen oder Renovierungsarbeiten am Gebäude zu koordinieren. «Einige von ihnen begannen, mit uns zusammen Gott zu loben, sein Wort zu hören und Fragen zu stellen», berichtet Giovanna, eine der Freiwilligen. «Wir möchten ihnen einen Unterschlupf, Lebensmittel und medizinische Hilfe geben, aber vor allem möchten wir ihnen die Möglichkeit schenken, Jesus kennenzulernen!»

Mit dem Ende des Lockdowns kam auch das Projekt der Gemeinde zum Ende – doch der Kontakt zu den Menschen, die sie in diesen drei Monaten unterstützen durften, wird sicherlich weiterhin bestehen.

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