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Deutschlands Arbeiterpriester

Franz Meurer: Kirche braucht Currywurst

Bewirtung nach der Messe sei wichtig für die Menschen, sagte der Kölner Pfarrer Franz Meurer. Er ist seit Jahrzehnten ein Kölsches Original und gilt als bekanntester Arbeiterpriester Deutschlands. Mit seinem neuen Buch «Glaube, Gott und Currywurst» wolle er zeigen, dass die Kirche für die Menschen da sei – und nicht umgekehrt. Man müsse als Kirche von den Menschen her denken.

Franz Meurer
Quelle: Youtube
«Glaube, Gott und Currywurst» – Cover der Buches
Quelle: Herder

Das Buch des katholischen Pfarrers Franz Meurer ist gleich in der Bestseller-Liste des «Spiegel» eingestiegen. «Currywurst, glaube ich, kapiert jeder in ganz Deutschland, was das ist. Etwas, was alle Leute mögen, quer durch die Gesellschaft. Nicht nur die kleinen Leute, die Armen, sondern auch die Reichen haben bei Buffets neuerdings Currywurst», sagte Franz Meurer (69) in einem Interview mit dem «Deutschlandfunk».

Meurer ist seit 1992 Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Theodor und St. Elisabeth in Vingst und Höhenberg, die zu den ärmsten Stadtteilen Kölns gehören.

Kommunion heisst Gemeinschaft 

Und wieso braucht die Kirche Currywurst? «Um den Menschen etwas Schönes bieten zu können. Bei uns ist zum Beispiel jeden Sonntag nach der Messe Bewirtung. Meistens gibt es Kuchen, manchmal gibt es Fritten, manchmal gibt es Currywurst. Das ist ein Höhepunkt neben beliebten Waffeln», so Pfarrer Meurer.

Und was hat das mit Glaube und Gott zu tun? Meurer: «Ganz einfach: Kommunion heisst Gemeinschaft, Begegnung. Das heisst: Ein Gottesdienst, wo man sich nachher nicht treffen kann, der ist für die Leute nicht gut, weil wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Das müssen wir bei uns selber organisieren.» Früher gingen die Leute in die Wirtschaft. Vingst und Höhenberg sei aber ein armes Viertel: 26 Prozent aller Haushalte sind überschuldet, 53 Prozent der Kinder arm.

Buch als Ermutigung

Daher ist für den Pfarrer völlig klar: Um elf Uhr ist der Gottesdienst, nicht früher. Man kann ausschlafen. Man kann, wenn man eine Familie ist, auch zusammen frühstücken. Aber man kann auch zuerst zur Heiligen Messe kommen, sich danach verabreden, von da aus starten, ins Schwimmbad oder einen Ausflug machen. Warum hat der Pfarrer darüber ein Buch geschrieben? «Mir war wichtig, mal kein Krisenbuch zu schreiben, sondern zu zeigen, die Kirche ist für die Menschen da. Unser Platz ist bei den Menschen. Und, um ganz einfach deutlich zu machen, wie man es macht», erklärt Franz Meurer. Der Pfarrer gibt Tipps, wie man es so machen kann, dass es den Menschen nützt. Man müsse als Kirche von den Menschen her denken. Und der Platz der Kirche sei immer an der Seite der Armen.

Beispiel aus der Praxis 

Der Pfarrer bringt ein Beispiel aus seiner Praxis. Es war die Erstkommunion. In der Kirche steht eine Schatzkiste. Der Pfarrer sagt: «Darin ist das Wertvollste, was es auf der Welt gibt. Was könnte dies sein?» – «Gold!» ruft ein fünfjähriges Mädchen. Andere sagen «Luft zum Atmen». Gewisse sagen «die Bibel» oder «die Liebe». – Es ist ein Kind drin, und zwar in echt. Später wollen alle Kinder da rein. Klappe auf, Kind raus! Jedes Kind ist mehr wert als alles Gold der Welt. Was ist die Aufgabe als Kinder? Ganz einfach: Ihr wollt zur Kommunion, Communio, Gemeinschaft. 

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