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Die Geschichte der Autorin

Damaris Kofmehls Autobiografie «Kämpferseele»

Über 40 Bücher hat Damaris Kofmehl geschrieben. Und fast immer waren es echte Schicksale, die sie erzählte. Bei ihrem neuesten Werk wird die bekannte Schweizerin noch persönlicher: In «Kämpferseele» erzählt sie von sich selbst.

Damaris Kofmehl
Quelle: Facebook
«Kämpferseele: Die Stürme meines Lebens» Cover
Quelle: SCM Hänssler

«True-Life-Thriller» nennt Damaris Kofmehl (49) ihre Bücher. Darin stellt sie vorzugsweise einem jüngeren Publikum krasse Aussenseitergestalten vor: Neonazis, Hooligans, Mörderinnen und Bankräuber – und deren Begegnung mit Gottes Liebe. Nicht jedem gefällt ihre Art zu schreiben, aber Hunderttausende verkaufte Bücher zeigen: Sie trifft einen Nerv. Immer wieder wurde sie in der Vergangenheit gefragt, ob sie nicht einmal ihre eigene Geschichte aufschreiben wollte. Manches hat Kofmehl bereits in Interviews oder bei Veranstaltungen von sich gegeben. «Ehrlich gesagt ist es tausendmal leichter, die krassen Geschichten anderer Menschen aufzuschreiben, als in meinem eigenen Leben herumzustochern.» Trotzdem hat sie es jetzt getan, «in der Überzeugung, dass es dir, liebe/r Leser/in, zum Segen dienen kann».

Gott herausstreichen? Nie!

Wer ist die Frau hinter den berührenden, harten und explizit christlich geprägten Romanen? Damaris Kofmehl erzählt von sich, dass sie ihr erstes Buch bereits mit fünf Jahren schrieb. Damals konnte natürlich noch nicht schreiben, aber sie diktierte es ihrer Mutter. Und von da an stand es für sie fest: «Ich werde Schriftstellerin.» Sie wuchs in einem christlichen Umfeld in einer liebevollen Familie in der Schweiz auf. Als andere Mädchen ihre ersten Zigaretten rauchten, schrieb sie Hefte voll mit Geschichten. Und da ihre Lieblingsschriftstellerin mit 16 ihr erstes Buch veröffentlicht hatte, beschloss sie kurzerhand: «Ich schaffe es mit 15.» Sie schickte ein Manuskript an verschiedene Verlage – und tatsächlich bekam sie von dreien eine Zusage. Die beiden nicht-christlichen Verlage stellten nur als Bedingung, Gott herauszustreichen. Damit war die Entscheidung gefallen. Denn Gott herausstreichen? Das ging gar nicht.

Ich will mir die Finger schmutzig machen

Das Klischee einer Schriftstellerin ist wohl, dass sie in ihrem aufgeräumten Büro sitzt und Bücher von einem Leben schreibt, das sie selbst hauptsächlich aus der Vorstellung kennt. Sie ist nett, introvertiert, vielleicht ein bisschen weltfremd. Genau so ist Damaris Kofmehl – nicht. Schon während ihrer Ausbildung zur Grundschullehrerin trifft sie die Entscheidung: «Ich will mir die Hände schmutzig machen. Ich will nicht länger debattieren, ich will handeln!» So unterrichtet sie Missionarskinder im Dschungel von Costa Rica, trampt durch Südamerika, wandert allein durch den Urwald und arbeitet in São Paulo mit Strassenkindern. Sie wird bedroht und bestohlen. Sie wird beschenkt und geführt. Und sie begegnet Menschen, deren Schicksale sie so berühren, dass sie sie einfach aufschreiben muss. Menschen wie Marcio («Marcio – ich will leben») oder Shannon («Shannon – ein wildes Leben»). Und während sie längst auf eigene Kosten in einem Strassenkinderprojekt in Brasilien engagiert ist, denkt sie an Freundinnen in der Schweiz, die sich zwischen Familie, Karriere und Urlaub bewegen und weiss genau: Normal ist sie nicht – und normal will sie nicht sein.

Eine Geschichte, die für mehrere Leben reicht

«Kämpferseele» ist ein atemloses Buch. Denn was Damaris Kofmehl auf 368 zwischen zwei Buchdeckel packt, reicht für mehrere Leben. Dabei schreibt sie erfrischend uneitel und es sieht so aus, als ob sie ihre Erlebnisse nicht zusätzlich dramatisiert. Das ist auch nicht nötig, denn sie sind dramatisch genug. Liebe, Leben, Tod, Kulturschock, Gewalt, Strassenkinderprojekte, Verrat, Gemeindebau, Enttäuschungen und Segen sind nur ein kleiner Teil der Themen. Und sie sind so persönlich und echt erzählt, dass man mit der Autorin mitleidet und -lacht. Kofmehl erzählt immer wieder von Enttäuschungen und Schwierigkeiten, sie schönt weder ihre eigenen Fehler noch das Versagen anderer. Sie erlebt dabei, dass Gott sie gebraucht, sie heilt, ihr begegnet. Aber sie versteckt sich auch nicht hinter Äusserem, sondern lässt immer wieder Blicke in ihr Herz zu: wie sie sich fühlt, wie sie einen Partner sucht, wie sie klagt, fragt und betet. Und sie erzählt berührend von Demetri Betts, ihrem Mann, den sie spät gefunden und früh verloren hat.

Das Besondere dieser Autobiografie ist sicher auch der Blick nach aussen auf andere Menschen. Man merkt Kofmehls echtes Interesse für Geschichten – und die Personen dahinter; besonders für randständige Menschen. In ihren (und in Gottes!) Augen werden sie von «Pennern» zu «Paradiesvögeln» – im wahrsten Sinn des Wortes. Es sind Leute wie die, denen sie zusammen mit ihrem zukünftigen Mann in den USA begegnet: «Es war mit Abstand der chaotischste Haufen an jungen Menschen, den ich je gesehen hatte: Ein Plüschhuhn, ein Mädchen, das eigentlich ein Junge war, ein Rocker, der seinen Urin trank, ein grünhaariger Hippie und Demetri, ehemaliger Drogendealer und Strassenkind. Mit Sicherheit hätte jede Kirche dieser seltsamen Truppe den Zutritt verweigert. Doch hier waren sie, in einer Bretterbude mitten im Wald, und ich spürte Gottes Gegenwart so stark wie selten zuvor.»

Ein echtes Vorbild

Bei manchen christlichen «Heldengeschichten» wird man beim Lesen von Seite zu Seite kleiner. Kennen Sie das? Da wird die ganze Zeit ein Anspruch genährt, den Otto Normalverbraucher nicht erfüllen kann und wahrscheinlich auch sonst niemand. Das ist bei «Kämpferseele» anders. Das Buch bleibt herausfordernd. Immer wieder wirft es mehr als nur einen Blick auf die Schattenseiten dieser Welt. Aber von Seite zu Seite spürt man beim Lesen, dass diese bedingungslose Annahme von Jesus den Freaks dieser Welt genauso gilt wie jedem anderen – also mir.

«Kämpferseele» ist ein echter Pageturner. Sie werden das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Versprochen. Sie werden eine spannende Lebensgeschichte lesen. Sie werden Damaris Kofmehl begegnen, wie Sie sie wahrscheinlich noch nicht kannten. Und Sie werden sich (neu) mit Gottes Augen sehen. Die Autorin zieht als ihr Fazit: «Ich wäre heute nicht die Damaris Kofmehl, die ich bin, wäre ich nicht durch die Stürme meines Lebens gegangen. Aber in all den Stürmen war einer immer bei mir: Jesus Christus. Er hat mich gehalten und er wird mich auch weiterhin halten. Genauso wie dich. Darum möchte ich dir zurufen, was auch Demetri den Menschen immer zugerufen hat: «Gib nicht auf! Dein Leben ist zu wichtig!»

Damaris Kofmehl: Kämpferseele. Die Stürme meines Lebens, 368 Seiten, gebunden, SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5999-9. EUR 22,99 / SFr 33,90.

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