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Zwischen jetzt und Ewigkeit

Das Leben leben mit Blick auf den Tod

Der Tod ist schrecklich endgültig. Deshalb begegnen ihm etliche mit Galgenhumor. Die meisten begegnen ihm am liebsten gar nicht. Sie verbannen ihn aus ihrem Denken und ihrer Gegenwart, soweit das möglich ist. Doch wer die Augen vor dem Sterben verschliesst, verschliesst sie in der Regel auch vor dem Leben.

Rinnende Sanduhr
Quelle: unsplash.com

Eine vielzitierte Aussage zum Sterben wird Mose zugeschrieben. «Lehre uns unsere Tage richtig zählen, damit wir ein weises Herz erlangen!», sagt er in Psalm, Kapitel 90, Vers 12. Damit lässt er sich weder auf eine falsche Realitätsflucht ein noch auf ein Verdrängen des Todes. Und genau in dieser Spannung stehe ich als Mensch.

Im Spannungsfeld

Meine Schwiegermutter ist inzwischen 92 Jahre alt. Sie ist ein positiver Mensch und eine gläubige Christin. Doch immer mal wieder äussert sie, dass sie jetzt lieber «heimgehen» würde zu ihrem Herrn, als noch länger – und immer beschwerlicher – weiterzuleben. Ich verstehe sie gut. Bei anderen habe ich den Eindruck: Sie sind viel zu früh gegangen. So wie der Säugling von Bekannten, der kurz nach seiner Geburt an einer unheilbaren Krankheit gestorben ist. Gefühlsmässig passt das nicht. Kein Mensch sollte nur 12 Tage alt werden. Und mittendrin befinde ich mich mit meinen 56 Jahren. Was ist meine Lebenserwartung? Also ganz konkret: Was erwarte ich noch vom Leben? Und wie ist das mit meinem Tod? Wann würde es mir denn passen zu sterben? Natürlich ist die Frage fiktiv, denn ich könnte jederzeit krank werden, einen Unfall haben und sterben. Oder uralt werden, dement und pflegebedürftig. Aber wie realistisch ist das jeweils? Was bedeutet es für mich, «meine Tage zu zählen, damit ich weise werde»?

Die liebe Statistik

So rein statistisch habe ich noch einige Jahre vor mir. Zurzeit geht man in Deutschland bereits von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 79 Jahren bei Männern aus. Doch der Durchschnitt ist hier ein schlechter Anhaltspunkt. Denn auf jeden, der sogar 99 wird, kommt im Schnitt einer, der bereits mit 59 stirbt. Tatsächlich ist unser bewusstes Dasein kürzer, als wir es meist wahrhaben wollen. Als ich mit 20 Jahren Abitur und Zivildienst hinter mir hatte, dachte ich, dass das Leben jetzt so richtig losgeht. Dabei war damals bereits ein Viertel meiner (statistischen) Lebenszeit abgelaufen …

Eine andere wichtige Zahl ist die Sterblichkeitsrate. Im Gegensatz zur Lebenserwartung bleibt sie seit ewigen Zeiten unverändert bei genau 100 Prozent. Will sagen: Jeder stirbt. Sogar Sie und ich. Weltweit bedeutet das zurzeit, dass praktisch unabhängig von den Nachrichten über Terroranschläge, Kriege oder das Coronavirus täglich über 150'000 Menschen sterben. Das ist jeweils die Bevölkerung von Bern bzw. Paderborn. An jedem einzelnen Tag.

Statistiken wie diese können mir einen schönen Tag vermiesen. Oder sie können mich dazu bewegen, einmal über etwas nachzudenken, was mich todsicher (!) auch betrifft.

Ewigkeit im Blick

Im Mittelalter und darüber hinaus hatten Künstler so eine ganz eigene Art, den Gedanken der Endlichkeit in Szene zu setzen: Sie drapierten zum Beispiel einen Totenkopf ins Bild. Dieses sogenannte Vanitas-Motiv soll die Vergänglichkeit dessen unterstreichen, was ich vor mir sehe. Und es soll mich motivieren, mich an der Ewigkeit zu orientieren. Dabei wird Ewigkeit allerdings meistens nicht als ewig (also wirklich ohne Anfang und Ende) verstanden, sondern als «zukünftig». Also: «Wenn ich einmal im Himmel bin …»

Solch eine Haltung wird von etlichen als Wirklichkeitsflucht angesehen. Tatsächlich ist sie wesentlich komplexer: Meine Schwiegermutter zum Beispiel muss vieles loslassen, was sie doch nicht festhalten kann: Wünsche, Kraft, Möglichkeiten. Aber sie hat eine Perspektive, die darüber hinausgeht. Ähnlich geht es Menschen, die sich in scheinbar aussichtslosen Situationen befinden. Das reicht von der Missionarin bis hin zum Widerstandskämpfer. Sie alle orientieren sich an etwas, das über sie hinweg andauert. An dem Gedanken an Ewigkeit eben.

Als Christ lebe ich in der Spannung, dass vieles, was offensichtlich Gottes Idee ist, was er sogar versprochen hat umzusetzen, in meiner Umgebung noch keine Gestalt gewonnen hat. Ich engagiere mich aber trotzdem für Liebe und Gerechtigkeit. Ich erwarte, dass die Schöpfung wiederhergestellt wird. Ich glaube an eine andauernde Gemeinschaft mit Gott selbst, die jetzt bereits begonnen hat, aber in der Qualität noch sehr steigerungsfähig ist. Dieses Grundwissen über ein ewiges Dasein wird im Ersten Testament bereits in Worte gefasst: «Er hat alles vortrefflich gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er ihnen ins Herz gelegt – nur dass der Mensch das Werk, das Gott getan hat, nicht von Anfang bis zu Ende ergründen kann» (Prediger, Kapitel 3, Vers 11).

Das Leben mit Leben füllen

Mein Leben ist also begrenzt durch den Tod. Gleichzeitig spricht die Bibel davon, dass es ewig ist. Diese Spannung wird nicht wirklich aufgelöst, aber sie hat Konsequenzen, die über das Salomonische «man kann es nicht ergründen» hinausgehen.

Konkret heisst das für mich als Christ, dass ich bei dem, was ich tue und lasse, darauf achten möchte, wie es im Licht der Ewigkeit aussieht. Das ist sicher nicht immer meine erste Frage, hoffentlich aber eine immer Häufigere. Ich möchte mich weniger antreiben lassen von dem, was gerade als dringend und drängend in meinem Terminkalender steht. Hier kann der Gedanke ans Sterben tatsächlich hilfreich sein: Möchte ich diese Aufgabe noch erledigt haben, bevor ich abtrete? Soll das auf meinem Grabstein stehen? Da relativiert sich Vieles und Anderes – gerade wenn es um die Beziehung zu anderen Menschen geht – wird wesentlich wichtiger. Mir hilft der Gedanke ans Sterben dabei, die Zeit, die ich zur Verfügung habe, bewusst zu gestalten. So lebe ich im Bewusstsein, dass mein Leben morgen zu Ende sein kann und trotzdem noch etwas kommt. Diese im wahrsten Sinne himmlische Perspektive macht mich im Alltag gelassener. Gleichzeitig hilft mir mein Ende, von dem ich nicht weiss, wann es sein wird, dabei, weniger im Gestern oder Morgen zu leben als im Hier und Heute. Denn auch das ist Statistik: An irgendeinem Tag in der Zukunft werde ich sterben. Dieser Zeitpunkt kommt mit jedem Tag einen Schritt näher. Aber an jedem anderen Tag bis dahin sterbe ich nicht. Und deshalb möchte ich ihn mit Leben füllen bzw. von Gott mit seinem Leben füllen lassen. Mit einem Leben, das Bestand über den Tod hinaus hat: «Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt» (Johannes, Kapitel 11, Vers 25).

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