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Mit WEC auf dem Weg

«Wir spürten, dass Gott die Menschen vorbereitet hatte»

Das christliche Missions- und Hilfswerk «WEC International» («Weltweiter Einsatz für Christus») lädt zu Kurz- und Langzeiteinsätzen in verschiedenen Ländern. Immer wieder finden dadurch Menschen zu Jesus Christus. Im Interview mit Livenet gibt das Ärztepaar Barnabas und Shalom (Namen geändert) einen Einblick in die Arbeit.

Asiatische Kinder
Quelle: unsplash.com

Barnabas und Shalom, was sind die Schwerpunkte der Missionsarbeit von «WEC International»?
Barnabas:
Wir setzen uns dafür ein, dass Jesus Christus von den unerreichten Völkern der Welt erkannt, geliebt und angebetet wird. Ausgerüstet mit der Kraft des Heiligen Geistes, der Dringlichkeit bewusst und mit dem Willen zur Zusammenarbeit mit anderen haben wir uns zu drei Zielen verpflichtet. Damit die Vision Wirklichkeit wird …

Shalom: … das sind folgende Ziele: Erstens das Evangelium durch Wort und Tat verkünden, sodass Menschen zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus als ihren Retter und Herrn kommen und seine Jünger werden. Zweitens: Christusgläubige zusammenbringen und Gemeinden auf Gottes Wort gründen, damit Menschen in ihrer Umgebung und darüber hinaus zu Jüngern werden. Drittens wollen wir zur Weltmission motivieren; es geht darum, Menschen dafür zu gewinnen, auszubilden, zu senden, dies alles in Partnerschaft mit der weltweiten Gemeinde.

Ihr habt als Chirurgen gearbeitet. Wie war der Alltag auf dem Missionsfeld?
Barnabas:
Wir arbeiteten in einem staatlichen Spital (Anm.d.Red.: Aus Sicherheitsgründen wird das Land nicht genannt) als ehrenamtliche Ärzte und unterstützten Professoren durch Beratung an einer medizinischen Hochschule. Zunächst brauchte es Zeit, sich an die Umgebung der örtlichen Spitäler anzupassen und Vertrauen zu den Ärzten vor Ort aufzubauen. Wir erkannten, dass es nicht möglich ist, unsere Erfahrung und unser Leben mit den Ärzten und dem Krankenpflegepersonal zu teilen, wenn wir nicht Freunde werden würden. Als wir unseren Stolz niederlegten, wurden wir Freunde und viele lokale Ärzte begannen freiwillig von uns zu lernen.

Shalom: Unser Tagesablauf war simpel. Jeden Tag haben wir mit den Ärzten in der chirurgischen Abteilung einen Stationsrundgang gemacht. Es bot sich eine gute Gelegenheit, unsere Erfahrung mit den lokalen Ärzten zu teilen. Ich führte in der Regel Operationen durch, wenn ich darum gebeten wurde, während Barnabas junge Ärzte unterrichtete. Wir arbeiteten bis 13 Uhr. Ärzte arbeiteten morgens im Krankenhaus und am Nachmittag in ihrer Privatklinik. Das medizinische System glich dem alten Kommunismus-Modell: Die Regierung stellte kostenlose medizinische Versorgung zur Verfügung und gab den Ärzten nur einen kleinen Lohn. So mussten sie zusätzlich in einer Privatklinik für den Unterhalt ihrer eigenen Familien aufkommen.

Könnten Sie ein oder zwei Situationen beschreiben, in denen Menschen aufgrund Ihres Missionseinsatzes eine Veränderung erfuhren?
Barnabas:
Wir konnten das Evangelium nicht öffentlich und direkt weitergeben, weil wir uns an das Staatsgesetz zu halten hatten. Jedoch konnten wir es weitergeben, wenn die Leute uns privat fragten. Während unserem Einsatz kamen mehrere Menschen zum Glauben an Jesus. Wir spürten, dass Gott Menschen vorbereitet hatte, die auf der Suche nach der Wahrheit waren.

Shalom: Ich traf im Spital eine Frau. Sie fragte mich: «Kennen Sie jemanden, der die Bibel erklären kann?» Ich hatte es nie erwartet, aber sie wurde die erste Gläubige. Sie war Witwe und verbrachte eine harte Zeit während des Bürgerkriegs. Ihr Mann wurde seit dem Tag des Genozids vermisst (mehr als 3'000 Menschen wurden auf den Strassen getötet). Sie versuchte, einen Weg zu finden, um glücklich zu werden. Seit zwei Jahren hatte sie die Bibel gelesen, aber sie konnte sie nicht verstehen.

Also habe ich ein Bibelstudium mit ihr gestartet. Am Anfang habe ich realisiert, dass ihr Leben kein gutes Vorbild in ihrer Kultur war. Ich betete und lehrte sie fast ein Jahr lang. Sie begann, sich Stück für Stück zu verändern. Eines Tages kam ihr Bruder zu uns und sagte: «Ich möchte die Bibel auch studieren. Ich kannte das Leben meiner Schwester. Ich habe versucht, sie mit dem islamischen Gesetz zu verändern, aber es brachte keinen Erfolg. Jetzt hat sie sich durch das Bibelstudium stark verändert. Ich möchte das Geheimnis kennenlernen.» Schliesslich fand die ganze Familie von ihr zu Jesus Christus!

Barnabas: Es gibt noch mehr Geschichten von Gottes auserwählten Menschen. Wir waren erstaunt, wie Gott die Leute in diesem Land liebt. Es gab einen berühmten Arzt in unserer Stadt, der während des Bürgerkriegs zum Herrn gekommen war. Ein Gastarbeiter gab ihm eine Bibel. Während er die Bergpredigt im Matthäusevangelium las, realisierte er, dass die Lehre Jesu der Wahrheit entspricht. Er las die Bibel und verehrte Gott mehrere Jahre lang, bevor wir ihn trafen. Er behandelte sogar die Armen, ohne Geld zu verlangen, da er wusste, dass er das Geschenk von Gott erhalten hatte. Am Ende kam seine Familie zum Glauben. Unser Gott ist gross.

Was können Christen in der Schweiz, respektive im Westen von den Christen im Osten lernen?
Shalom:
Wir, sowohl westliche als auch nicht-westliche Christen, wurden durch Christus in Gottes Reich berufen. Das Merkmal dieses Reiches ist die Einheit in Vielfalt durch den Heiligen Geist. Wir müssen voneinander lernen.

Der nicht-westliche Christ kann zur Gemeinschaft beitragen. Asiatische und lateinamerikanische Kirchen legen grossen Wert auf Gemeinschaft. Die Einheimischen auf den Missionsfeldern teilen diesen Wert. Der Westen kann von diesem starken Sinn für Gemeinschaft lernen. Ein weiterer Punkt ist die Leidenschaft, das Evangelium zu predigen und Gemeinden zu gründen. Asiatische und lateinamerikanische Kirchen sind jung und haben Erfahrung in der Gründung neuer Kirchen. Und sie haben Wachstum erlebt. Das sind gute Voraussetzungen für ein Gemeindegründungsprojekt.

Welchen Unterschied macht der christliche Glaube bei der Entwicklungszusammenarbeit?
Barnabas:
Wir gehörten einer christlichen NGO an, die viele Entwicklungsprojekte durchführte. Wir haben uns als christliche NGO registriert und hatten eine klare Aussage in unseren Statuten über unsere Motivation und unsere Mission. Wir glaubten, dass verschiedene Projekte für die Entwicklung der Gesellschaft ein Ausdruck der Liebe Gottes sind. Daher haben wir uns voll und ganz verpflichtet, Projekte umzusetzen sowie Teil der lokalen Gemeinschaft zu sein. Jesus kam auf die Erde und predigte die frohe Botschaft von Gottes Reich. Er heilte aber auch die Kranken. Als Jünger Jesu hatten wir dieselbe Berufung für die Unerreichten.

Was liegt Ihnen persönlich in Bezug auf Mission am Herzen?
Schalom:
Wir wollen in die ganze Fülle Christi hineinwachsen. Die Mission besteht nicht darin, Projekte zu tun, sondern in Christus zu sein. Denn das Tun kommt aus dem Sein. Wir wollen auch, dass die gesamte WEC-Gemeinschaft und die Kirchen, die gegründet wurden, in die Fülle Christi wachsen.

Welche Projekte und Initiativen wird WEC als nächstes lancieren?
Barnabas:
Im 21. Jahrhundert ist die Mission von überall her nach überall hin. Dies kann auf verschiedene Weise interpretiert werden. Einer der Trends ist, dass Gott die jungen Kirchen auf der ganzen Welt benutzt, die in den Zielländern der Mission entstanden sind. Wir denken, es ist Gottes neue Welle. WEC International will die Welle aufnehmen, um unseren Geist und unser Herz aufzufrischen. Ein Team von WEC hat Pläne dazu entworfen, und wir hoffen, dass diese in naher Zukunft in die Tat umgesetzt werden.

Zur Webseite:
WEC International

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