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Soll die CVP das C abschaffen?

«CVP vertritt keine christlichen Positionen mehr»

In der CVP, lange Zeit Stammpartei katholischer Wähler, ist die Diskussion im Gange, das «C» abzuschaffen. Statt Bedauern zu äussern, unterstützt der Medienbeauftragte des Bistums Chur,

Giuseppe Gracia
Quelle: zVg

Giuseppe Gracia, einen solchen Schritt.Parteipräsident Gerhard Pfister selbst stiess die Diskussion an: Er habe viele Reaktionen von potentiellen Wählern, die die «konsens-und lösungsorientierte Politik» der CVP zwar unterstützten, die aber keine katholische Partei wählen wollten. Neu will sich die CVP als reine Partei der Mitte positionieren – ein Schritt, der nach Giuseppe Gracia, dem Medienbeauftragten des Bistums Chur, nur konsequent ist.

«Schon länger keine christlichen Positionen mehr»

Es brauche keine CVP, damit Katholiken sich politisch einbringen könnten, stellte Gracia in einem Interview mit «Bluewin» fest; ausserdem vertrete die CVP «schon länger keine christlichen Positionen mehr in entscheidenden Fragen, sei es Abtreibung, Sterbehilfe oder Ehe für alle». Vielmehr schwimme sie wertemässig im «Links-grünen Mainstream», den Gracia auch als «materialistisch» bezeichnet. Auf Rückfrage präzisiert er: «(Der Mensch) wird gesehen als Produkt seines materiellen, sozialen Umfelds. Und das ist linkes Gedankengut. Dieses geht davon aus, dass je besser die wirtschaftliche und kulturelle Situation ist, desto besser ist auch der Mensch.» Nach dem christlichen Menschenbild sei der Mensch aber mehr: «Er ist auch Geist, Freiheit. Der Mensch hat einen freien Willen – und kann das Böse oder Gute wählen, egal wie sein Umfeld ihn haben oder erziehen will.»

Warum verlieren die Kirchen Menschen?

Weltweit wachse die katholische Kirche jährlich um 14 Millionen Mitglieder, so Gracia: «Sie ist populär und nach wie vor die grösste christliche Glaubensgruppe.» Er gibt aber zu: «Nur in Westeuropa, besonders im deutschsprachigen Teil, schrumpft die Mitgliederzahl.» Da jedoch die Zahlen bei den Reformierten noch mehr schrumpften, müsse der Mitgliederverlust «überkonfessionelle, gesamtgesellschaftliche Gründe haben». Die Entwicklung habe «wohl allgemein mit der Entchristlichung der Gesellschaft zu tun. Der Zeitgeist ist linksgrün-materialistisch», so Gracia.

Selbstbewusst zum Glauben stehen – wie die Freikirchen

Im Sinne eines klaren Profils tritt Gracia dafür ein, dass die katholische Kirche auch im Westen selbstbewusst auftritt: «Ein klares christliches Profil ist das Gebot der Stunde, wir dürfen nicht weichgespült sein.» Auf den Vergleich mit den Freikirchen angesprochen, hält er fest: «Die stehen selbstbewusst zu ihrem christlichen Glauben. Das sollten die katholischen Bischöfe, Priester und Gläubigen hierzulande auch verstärkt tun. Ein klares christliches Profil ist immer anziehend. Wenn man stattdessen den gesellschaftlichen Mainstream nachahmen will, macht man sich überflüssig.»

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