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Nach dem Rücktritt Gottfried Lochers

Eine neue charismatische Persönlichkeit suchen und wählen

Die Reformierten sollten nicht den Fehler machen, nach dem Abgang Lochers auch gleich sein Erbe zu entsorgen – und zur alten Profil- und Kantenlosigkeit zurückzukehren. Davor warnt der Kirchenredaktor eines prominenten Blattes.

Zürcher Grossmünster
Quelle: Pixabay
Simon Hehli
Quelle: NZZ

Die Warnung kommt vom Kirchen- und Religionsredaktor der NZZ, Simon Hehli. Er bringt gleichzeitig neue Sichtweisen zum Rücktritt Lochers in die Debatte. Für ihn sind zum Beispiel nicht die anonymen und schwer zu überprüfenden Anklagen wegen Grenzverletzungen das eigentliche Problem, sondern dass Locher eine Beziehung mit einem Ratsmitglied eingegangen ist, was das Funktionieren des Gremiums beeinträchtigen musste.

Die Macht- und Kulturfrage der Reformierten

Hehli weist in seinem Kommentar in NZZ online vom 27. Juni 2020 auch auf die traditionelle Machtverteilung in der reformierten Kirche hin, die darin bestand, dass es die Präsidien der Kantonalkirche lange verhindern konnten, dem ehemaligen SEK-Rat mehr Kompetenzen zu geben. Auch auf die Kultur der Reformierten, die nicht gerne einen «Bischof» über sich haben. Locher hat es aber geschafft, mittels einer neuen Verfassung eine Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz mit einem Präsidenten, der die Kirche auch nach aussen und in ökumenischen Gremien vertritt, zu schaffen.

Es darf nicht bei der Kritik bleiben

Dass nun gleich zwei Präsidenten von grossen Kantonalkirchen prominent und medial gegen Locher vorgegangen sind, sei daher kein Zufall. Allerdings habe auch der Rat selbst und insbesondere die Vizepräsidentin Esther Gaillard, die Hunderttausende für PR-Agenturen und Anwälte ausgegeben habe, keine gute Figur gemacht. Es brauche daher neue Leute auch für den EKS-Rat.

Die beiden Hauptkontrahenten gegen Locher, Christoph Weber-Berg und Michel Müller, werden jedenfalls auch bei der Neubesetzung des Präsidiums und allenfalls des Rates gefordert sein. 

Charismatische Köpfe braucht die Kirche

Hehli gibt sich auch über das Image der reformierten Kirche besorgt, auch wenn sich das Gemeindeleben vor allem in den Ortskirchen abspiele. Er rät den Reformierten zu Recht, die Probleme gut aufzuarbeiten, aber auch mit der Selbstzerfleischung aufzuhören. Ein Zurück zur alten Profillosigkeit der Schweizer Reformierten dürfe es nicht geben. Wörtlich sagte er, und hier ist ihm ebenfalls zuzustimmen: «Das ganze Theater mag unterhaltsam sein, es wird aber dazu führen, dass sich noch mehr Mitglieder enttäuscht von der Kirche abwenden. Um den Blick von der Vergangenheit zu lösen und wieder auf die Zukunft richten zu können, braucht es bald neue, glaubwürdige und charismatische Köpfe an der Spitze.»

Und einen Präsidenten, der eine klare Zukunftsstrategie für die reformierte Kirche hat und dezidiert für deren Erneuerung eintritt, möchte man beifügen.

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