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EE Schweiz zeigt Hoffnung auf

«Suche nach Halt ist grösser geworden»

«Die Menschen entwickelten während der Corona-Krise ein stärkeres Bewusstsein für ihre Endlichkeit», beobachtet Bernhard Lüthi, Leiter von «EE Schweiz». Die Organisation begegnet der Suche mit der lebensverändernden Botschaft von Jesus.

Bernhard Lüthi
Quelle: EE Schweiz

Livenet: Bernhard Lüthi, das Coronavirus hat vieles verändert. Wie hat sich die Arbeit von EE seither gewandelt?
Bernhard Lüthi:
Wie viel sich verändern wird, werden wir wahrscheinlich erst in ein bis zwei Jahren beurteilten können. Der Lockdown traf uns leider genau in der Startphase unserer diesjährigen Kurse. Deshalb mussten wir sämtliche Kurse verschieben. Die Teammeetings im März und April sowie das Grillfest fielen dem Virus zum Opfer. Das EE Büro verlegten wir ins Homeoffice und für die 10-Uhr-Gebetszeit trafen wir uns jeweils im «Zoom». Und siehe da, dies eröffnete uns ganz neue Möglichkeiten. Beispielsweise konnten sich unsere «Missionarin» Priscilla Hübscher, welche mit ihrem Mann für EE Südafrika arbeitet oder unser Mitarbeiter Ehepaar Bolliger aus dem Bündnerland in unregelmässigen Abständen zuschalten.

Die Stärke von EE ist die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Wir lernen theoretisch, wie man jemandem das Evangelium erklärt, um dann in praktischen Einsätzen – sei es auf der Strasse oder bei Hausbesuchen – das Gelernte zu üben und gleich anzuwenden. Nebst dem Theorieunterricht zeigt ein EE Lehrer seinen Schülern gleichzeitig im praktischen Einsatz, wie man am Glauben interessierte sucht, findet und ihnen das Evangelium erklärt. So ist der Lehrer auch Mentor und Trainer. Wegen den Corona-Einschränkungen entdecken wir, dass man solche «praktischen» Einsätze auch über das Internet gestalten kann.

Sind die Menschen in den letzten Monaten offener für den Glauben geworden?
Ich beobachte, dass viele Menschen ein stärkeres Bewusstsein für ihre Endlichkeit entwickelt haben, weil ein Virus die «Macht» hat, die ganze Welt in einen Ausnahmezustand zu versetzen. Dies führt zu einer stärkeren Suche nach Halt und Orientierung. Ich erlebe das zum Beispiel, wenn ich mich wiedermal mit der Kleinformation meiner Brass Band für ein Balkonkonzert treffe oder wenn ich mit dem Nachbarn über die Hecke ins Gespräch komme. Ich bin eher zurückhaltend, den Begriff «offener» zu verwenden. In der Bibel lesen wir zum Beispiel im 2. Mose über Pharao, dass Krisen genauso das Gegenteil, also Verstockung, bewirken können. Auf unseren EE Trainings-Einsätzen wurden wir vor Corona immer wieder überrascht, wie viele «offene» und suchende Menschen wir antreffen. Wir sollten uns nicht die Frage nach der Offenheit der Menschen stellen, sondern vielmehr, ob wir als Nachfolger Jesu Antworten auf die Sinnfrage der Menschen geben können.

Und eine wichtige Frage ist die nach dem eigenen Lebensstil: Ich reflektiere oft bei mir selbst, ob ich so lebe, dass andere Menschen mehr über meine Hoffnung wissen wollen. Jesus fragte nicht danach, ob die Menschen offen für ihn sind, sondern «er ist gekommen zu suchen, was verloren ist», wie [das] Lukas-Evangelium, Kapitel 19, Vers 10 beschreibt. Er ging zu den Menschen und war für sie nah und erlebbar.

Gibt es durch die Krise neue Tools und Ideen, die EE gewinnen konnte?
Im letztjährigen internationalen Kongress von EE wurden die Weichen gestellt, um eine Online-Ausbildung von EE aufzubauen. Durch die Partnerschaft zwischen EE und GO 2020 hat EE international ein erstes Online-Angebot in englischer Sprache entwickelt.

Bei Confession, der Schule für Evangelisation und Apologetik in Zürich (bei der EE stark involviert ist, Anm. d. Red.) hatten wir während dem Lockdown drei Monate Online-Unterricht. Aus diesen Erfahrungen konnten wir sehr viele Erkenntnisse gewinnen. Zugleich wurden uns auch die Grenzen aufgezeigt. Ein Online-Angebot kann den Präsenzunterricht und die praktischen Strasseneinsätze nicht einfach ersetzen. Künftig unterstützen wir Gemeinden auch mit Online-Angeboten, um die Gemeindeglieder für einen evangelistischen Lebensstil zu trainieren.

Fanden durch die letzten Monate mehr Christen zu EE oder generell einem evangelistischen Lebensstil?
Wir verstehen uns als Dienstleister für Gemeinden und deshalb geht es uns nicht darum, dass die Christen zu EE finden. Da die meisten Gemeinden ihre Aktivitäten sehr reduziert haben und keine Kurse stattfanden, mussten wir alle Kursaktivitäten einstellen und hatten tendenziell mit weniger Menschen Kontakt als üblich. In Gesprächen fiel mir jedoch auf, dass mehr Christen die Frage nach der «Existenzberechtigung» der Kirchen und Gemeinden stellen, als dies bisher der Fall war. Und auch danach, ob wir unseren Auftrag in dieser Welt, so wie wir leben, in der bisherigen Art tatsächlich am wirkungsvollsten umsetzen können. Deshalb ist eine erhöhte Sensibilität für einen evangelistischen Lebensstil spürbar.

Ein Freund von mir, Michel Fischer, Pastor in der Vineyard Basel und EE Lehrer, fordert mich immer mal mit folgender Frage heraus: Was würden die Menschen in unserem Dorf, unserer Stadt oder unserer Region vermissen, wenn es uns/euch als Gemeinde nicht mehr geben würde? Würden wir wirklich fehlen? Fragen wir also die Menschen dort wo wir wohnen, arbeiten und leben und hören zu, was sie sagen.

Meldeten sich mehr Menschen für die Kurse an?
Das wird sich noch weisen. Ab August sind wieder Kurse geplant. Dann werden im September Confession und ISTL, in denen EE ein fester Bestanteil der Ausbildung ist, mit neuen Klassen starten. Es sind schon einige Kursteilnehmer und Studierende angemeldet, allerdings gibt es noch Platz. Zudem wird Hope4Kids (Kids-Zweig von EE) bei «Life on Stage» diesen Herbst erstmals im Kinderbereich Leute ausbilden. Wir rechnen damit, mehr Leute ausbilden zu dürfen.

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