Der Dolce-Vita-Effekt

Jeder Mensch kann sich ändern

Lange behaupteten Psychologen, dass sich Menschen nach ihrer frühen Kindheit kaum mehr verändern. Inzwischen geht man davon aus, dass sie sich bis ins hohe Alter ändern können. Anlässe dafür sind äusserliche Einflüsse, aber auch die Sinnfrage.
Veränderung

Persönlichkeitsveränderungen geschehen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Wenn sie auf äusserliche Einflüsse zurückgehen, spricht man auch vom «Dolce-Vita-Effekt» – benannt nach dem gleichnamigen Filmklassiker von Federico Fellini. In einer aktuellen Studie wiesen die Psychologinnen Eva Asselmann und Jule Specht dabei besonders auf die Rolle des Renteneintritts hin. Doch zahlreiche Faktoren beeinflussen die «Big Five» unserer Persönlichkeit:

  • Offenheit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Verträglichkeit
  • seelische Einstellung
  • emotionale Stabilität

Einfluss des Berufslebens

Neben Beziehungen zu anderen Menschen haben vor allem einschneidende Änderungen im Arbeitsleben einen grossen Einfluss auf unsere Persönlichkeit. So müssen sich junge Leute beim Berufseinstieg in vielem neu orientieren und anpassen. In der Regel werden sie dadurch zuverlässiger, übernehmen eher Verantwortung und handeln planvoller und durchdachter. Ihre erworbene Kompetenz macht sie selbstsicherer und optimistischer.

«Die Entwicklung mit dem Ende des Berufslebens passt zum Begriff Dolce-Vita-Effekt», weist Nils Warkentin in der Karrierebibel auf das andere Ende des Arbeitslebens hin. «Hier zeigt sich eine deutlich grössere Entspannung. Die Gewissenhaftigkeit nimmt ab, Menschen werden nachsichtiger, hilfsbereiter und verträglicher. Eine Ursache ist vermutlich der reduzierte Stress und die Erwartung, dass nun wirklich das süsse Leben beginnt. Selbst drastische Veränderungen sind in hohem Alter noch möglich. Manch einer erfindet sich nach Abschluss des Berufslebens noch einmal komplett neu und entdeckt eine Seite an sich, die über Jahrzehnte unbemerkt blieb.»

Krisen und Wachstum

Daneben haben auch Lebenskrisen einen starken Einfluss: In Liebes- und Freundschaftsbeziehungen entwickeln Menschen emotionale Reife und wachsen in ihrer Persönlichkeit. Auch Trennungen spielen hier eine wichtige Rolle, zeigen sie doch die Unverzichtbarkeit von Beziehungen und öffnen oft die Tür zu einem neuen Level der Selbsterkenntnis.

Ähnlich wirkt sich der Tod geliebter Menschen aus. Plötzlich muss man sich selbst neu finden, allein zurechtkommen und wird mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Typisch sind auch die Sinnkrisen mit fortschreitendem Alter: Menschen überlegen sich genauer, wo hinein sie sich investieren und wie sie ihr Leben weiterführen möchten, was sie glücklich macht.

Die Grabsteinfrage

Im Rahmen dieser Umbrüche begegnen viele der herausfordernden Grabsteinfrage: «Was soll einmal auf deinem Grabstein stehen?» oder: «Was soll auf deiner Beerdigung über dich erzählt werden?»

Fragen wie diese sind keine sentimentalen Randerscheinungen. Im Gegenteil. Sie helfen Menschen dabei, sich neu zu fokussieren. Ihr Leben zu ändern. Raum zu schaffen für das, was ihnen wirklich wichtig ist: Familie, Freunde, Gott. Diese Fragestellungen haben sogar biblische Vorbilder. Schon Kohelet (der Prediger) fragte: «Was bleibt dem Menschen von all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne?» (Prediger Kapitel 1, Vers 3) Das Ergebnis solcher Fragen kann Resignation sein oder die Erkenntnis, dass Veränderung und Wachstum keine Zeichen der Jugend sind, sondern des Lebens. Des süssen Lebens – «dolce vita».

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Datum: 31.07.2021
Autor: Hauke Burgarth / Nils Warkentin
Quelle: Livenet / Karrierebibel

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