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Wittenberger «Judensau»

Gericht zwingt Kirche, Antisemiten-Standbild zu behalten

Der Pfarrer wollte es weghaben. Ebenso ein Kläger aus der jüdischen Gemeinde. Gegenwärtig sorgen zwei «Judensau»-Standbilder für Schlagzeilen. Doch die Justiz zwingt sowohl die evangelische Stadtkirche in Wittenberg, wie auch die St.-Stephani-Kirche in Calbe dazu, die Schmähwerke unverhüllt stehen zu lassen.

Judensau an der Stadtkirche Wittenberg
Quelle: Wikipedia

Die evangelische Stadtkirche in Wittenberg ist vor Gericht abgeblitzt. Dieses zwingt die Kirche dazu, das Bildnis stehen zu lassen.

Dies nachdem Michael Dietrich Düllmann, ein Mitglied der jüdischen Gemeinde, auf juristischem Weg eine Entfernung verlangt hatte. Der Kläger sieht darin eine Verleumdung seiner selbst, der jüdischen Gemeinde sowie ein Symbol des Antisemitismus.

Die Begründung des Urteils: Die «Judensau» in Wittenberg ist Teil eines denkmalgeschützten Gebäudes und kann daher nicht entfernt werden. Weiter reiche die von der Kirche angebrachte Erklärungsplakette, um den beleidigenden Charakter auszuräumen.

«Zeichen der Schande»

Gleiches gilt für das Schmähmal der Kirche St. Stephani in Calbe. Pastor Jürgen Kohtz wollte es weghaben. Die Kirche liess dieses entfernen, ein Gericht entschied, dass diese Schmäh-Skulptur nun wieder an der Fassade zu hängen hat.

Jürgen Kohtz spricht von einer «schrecklichen und unerträglichen Botschaft an die Gemeinschaft». Die Skulptur werde verhüllt angebracht.

Diese Motive tauchten im Mittelalter auf. Heute sind sie noch an rund 30 Kirchen in Europa zu sehen – dies hauptsächlich in Deutschland, sowie ein paar wenige in Frankreich (unter anderem in Colmar aussen am Martinsmünster) sowie je eine in Belgien, Schweden (im Dom zu Uppsala) und eine in Polen – bis 1995 war ebenfalls eine im Basler Münster zu finden.

«Obszön!»

Auf «change.org» fand eine Petition bislang mehr als 10'000 Unterzeichner. Die Bittsteller bezeichnen das Bildnis als obszön: «Eine solche Entfernung ist nötig, da die Skulptur nicht nur Juden beleidigt, sondern schlicht eine öbszöne Darstellung wiedergibt. Juden, die an den Zitzen einer Sau nuckeln und ihre Hand in das Hinterteil dieser Sau stecken, sollten schlicht nicht an einem Gotteshaus abgebildet sein.»

Im Falle von Wittenberg handelt es sich um eine Kirche, in der einst Martin Luther predigte.

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