Im Norden des Toten Meeres

«Sodom-Belege nehmen von Tag zu Tag zu»

Nach wie vor wird eine Fülle von Material und Artefakten freigelegt; «die Beweise dafür, dass dies die antike Stadt Sodom ist, nehmen von Tag zu Tag zu», sagt Steven Collins. Gerade auch im Palast wurde auf grossem Fuss gelebt, wie die Tall el-Hammam-Ausgrabung in Jordanien zeigt.
Steven Collins
Die archäologische Stätte von Tall el-Hammam in Jordanien

Steven Collins, Archäologe und Direktor der «School of Archaeology» an der Veritas International University, kehrt jährlich an die Tall el-Hammam-Ausgrabung in Jordanien zurück.

Sein Interesse an der Lage von Sodom begann im Jahr 1996. Damals arbeitete er an einer anderen Ausgrabungsstätte und leitete Archäologietouren im Nahen Osten.

Auf einer dieser Reisen begann Steven Collins, andere mögliche Standorte von Sodom in Frage zu stellen. «Ich las den Text in Genesis 13 bis 19 und erkannte, dass der traditionelle Ort nicht mit dem im Text beschriebenen geografischen Profil übereinstimmte. Als ich also las, wie der Autor der Genesis das Gebiet von Sodom beschreibt, und mir dann das Gebiet des traditionellen Ortes in der südlichen Region ansah, sagte ich: 'Das kann nicht der Ort sein. Es gibt zu viele Unterschiede in der Beschreibung.'»

«Scheibe nicht Ebene»

Der geografische Punkt, um den es laut Collins geht, ist die Art und Weise, wie der Genesis-Text die Region Kikkar beschreibt, verstanden als «die Scheibe des Jordans», üblicherweise falsch übersetzt als «Ebene des Jordans.»

Collins «Wenn die Bibel den Begriff 'das Kikkar' verwendet, bezieht sie sich nur auf das grob kreisförmige Gebiet unmittelbar nördlich des Toten Meeres. Kikkar bedeutet streng genommen 'Kreis' oder 'Scheibe'. Diese Region ist die Kornkammer der Gegend, voll von Süsswasser und Ackerland. Das alles ist für mich interessant, weil das alte semitische Wort 'Kikkar' auch 'Fladenbrot' bedeuten kann.»

Zudem weisst die südliche Theorie nicht die im Text beschriebenen geografischen Parallelen auf. Dies sind 1) man kann das ganze Gebiet von den Ausläufern aus sehen; 2) es muss ein gut bewässerter Ort sein; 3) ein Fluss fliesst durch ihn hindurch (der Jordan); und 4) er muss der Reiseroute von Lot folgen (der von Bethel und Ai, direkt über Jericho, nach Osten nach Sodom ging).

Sodom war gross und bedeutend

Nach Hunderten von Stunden der Recherche – in den USA, Israel und Jordanien – kam Collins zu dem Schluss, dass der Ort Tall el-Hammam der richtige war. «Dies aufgrund der geografischen Lage und des biblischen Textes. In der Bibel wird Sodom an erster Stelle erwähnt; daher muss es die grösste und bekannteste Stadt in der Gegend gewesen sein. Wir stellen fest, dass die Heilige Schrift die Städte normalerweise nach ihrer Bedeutung und Grösse ordnet. Mit diesem Wissen wählen wir den grössten Ort.»

Tall el-Hammam war mit grossem Abstand die grösste Stätte. Die aktuellen Ausgrabungen zeigen, dass Tall el-Hammam eine Gesamtfläche von mindestens 40 Hektar hat, was für bronzezeitliche Verhältnisse riesig ist. Inzwischen weiss Collins: «Die Tall el-Hammam-Stätte hat fünfundzwanzig geographische Indikatoren, die sie mit der Beschreibung in der Genesis in Einklang bringen. Jerusalem hat zum Beispiel nur sechzehn. Die meisten anderen Orte haben nur fünf oder sechs, oder weniger.  Die Stätte hat also viel mehr geographische 'Zeichen' als jede andere Stadt des Alten Testaments.»

Zahlreiche Funde

Dazu kommen Funde, Architektur und Zerstörungsschichten – sie alle passen in das Zeitrahmenprofil. «Das heisst, wir sollten erwarten, dass wir Gegenstände, wie das, was wir finden, aus der mittleren Bronzezeit, der Zeit Abrahams, finden. Das ist genau das, was wir freilegen.»

Nach wie vor wird eine Fülle von Material und Artefakten freigelegt; «die Beweise dafür, dass dies die antike Stadt Sodom ist, nehmen von Tag zu Tag zu».

So zeige etwa die Qualität und Vielfalt der Töpferware aus dem Palast, dass Sodom eine Stadt der Spitzenklasse war und dass ihr König «gewöhnliche» Töpferware aus seinem Palast fernhielt: «Es ist alles spezielles, sogar ausgefallenes Zeug. Ganz zu schweigen davon, dass die inneren Palastwände bis zu 1,5 Meter dick sind. Der Palast ist sehr gross.»

Grosse Hitze bei Zerstörung

Nachgewiesen wurde bereits vor rund drei Jahren eine Zerstörung durch Hitze, verglichen mit dem Tunguska-Ereignis das in der Nähe von Sibiriens Tunguska-Fluss geschah. Bäume knickten wie Streichhölzer und Fenster wurden noch in einer Entfernung von 65 Kilometern eingedrückt.

Forscher gehen davon aus, dass die Explosion aus dem Jahr 1908 dem Luftstoss eines Meteors zugeschrieben werden kann, der in viereinhalb bis neun Kilometern über die Erde schoss, da noch kein ein Einschlagkrater gefunden wurde.

Bei einem ähnlichen Luftschlag in der Region des Toten Meeres könnten 40'000 bis 65'000 Menschen sofort getötet worden sein, sagt Phillip J. Silvia, Archäologe und Direktor beim Ausgrabungsprojekt «Jordan's Tall el-Hammam Excavation Project».

Als Beispiel für die extreme Hitze, die durch die Explosion erzeugt wurde, zeugt die Glasur auf Tonscherben in der bronzezeitlichen Stadt Tall el-Hammam, die dem antiken Sodom entsprechen könnte. Es sei so heiss gewesen, dass sie in Glas umgewandelt wurde.

«Erschütterndes, thermisches Ereignis»

Die Temperaturen waren enorm. Silva, der seit 2005 vor Ort gräbt, erklärte dem Magazin «Science News»: «Es wurde entdeckt, dass die Keramik der Hitze so intensiv ausgesetzt war, dass sie zu Glas schmolz. Zirkonkristalle in diesen glasartigen Schichten bildeten sich innerhalb einer Sekunde bei extrem hohen Temperaturen. Die am Standort Tall el-Hammam entdeckten Keramikfragmente enthielten winzige, kugelförmige Mineralkörner, die anscheinend auf das Gebiet niederregneten.»

Steven Collins sagt: «Der Brand in Tall el-Hammam war so stark, dass er geschmolzene Keramik hervorrief und verbrannte Grundsteine sowie mehrere Meter Asche und Zerstörungsrückstände, die zu einer dunkelgrauen Matrix aufgewühlt wurden. Die Funde aus Tall el-Hammam und den benachbarten Orten zeigen Anzeichen eines hochgradig destruktiven erschütternden und thermischen Ereignisses, das man von dem erwarten könnte, was in Genesis 19 beschrieben wird.»

Zum Thema:
Der Siloah-Teich sprudelt: Jetzt wird von einer möglichen erfüllten Prophetie gesprochen
Archäologe identifiziert Stelle: Hier könnte Herodes Johannes zum Tode verurteilt haben
Argument für die Bibel: Hier könnte Jesus Wasser in Wein verwandelt haben

Datum: 01.06.2021
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet / Godreports / CBN / BCN / BIN

Verwandte News
Werbung
Livenet Service
Werbung