Berufung und Hindernisse

Mission ist, wenn man's trotzdem tut

Christina Krappe (37) ist Hebamme. Die Christin aus Mühlheim/Ruhr ist momentan zu einem halbjährigen Einsatz im Benin. Auf dem Weg dorthin hat sie klar die Führung Gottes erlebt – trotzdem kämpft sie mit Zweifeln und Entmutigung.
Familie
Christina Krappe mit einer Kollegin im Krankenhaus in Benin

Missionarinnen und Missionare sind für viele Christen immer noch Glaubenshelden, für die «Entmutigung» ein absolutes Fremdwort ist. Doch eigentlich hat dieses Denken noch nie gestimmt. Gut, dass es immer mehr ehrliche Berichte auch über Schwierigkeiten beim Einsatz für Gott gibt. Und gut, dass viele sich trotz dieser Schwierigkeiten nicht abhalten lassen. So wie Christina Krappe.

Plötzlich war der «Ruf» da

Die Hebamme aus dem Ruhrgebiet ist gern für andere Menschen da. Doch in einem Zeitungsinterview stellte sie auch klar: «Ich finde es zu Hause schön, fühle mich hier verwurzelt.» Irgendwann besuchte sie bei einem Südamerika-Urlaub Freunde in einem peruanischen Missionskrankenhaus und war begeistert von «gelebter Demut und Bescheidenheit, von Nächstenliebe, praktischer Hilfe in Verbindung mit der Botschaft des Evangeliums, von der Achtung gegenüber der Gastkultur und ihren Menschen». Im Laufe der Zeit wurde es deutlich, dass es mehr war als Begeisterung. Christina Krappe merkte, dass Gott etwas mit ihr vorhatte. Sicher war sie, als sie auch noch ein Bibelwort aus 1. Chronik bekam: «Mach dich also an die Arbeit! Der Herr sei mit dir!» (Die Bibel, 1. Chronik, Kapitel 22, Vers 16) Sie nahm also Kontakt zum Missionswerk DMG auf, vertiefte ihre Französischkenntnisse, beantragte unbezahlten Urlaub und machte sich für sechs Monate auf den Weg nach Westafrika.

Immer wieder Kurskorrekturen

Was sich hier so geradlinig anhört, war in Wirklichkeit ein Zickzackkurs. Denn eigentlich wollte die Hebamme nach Burkina Faso. Kurz vor der Ausreise kam es dort allerdings fast unbemerkt von unseren Medien zu einem Militärputsch. Die Lage im Land war nicht sicher – Christina konnte nicht ausreisen. Ihre Gemeinde stärkte und stützte sie in dieser Zeit. Und sie entschied sich: «Ich bleibe bei meinem Entschluss, dass ich in meiner dafür frei genommen Zeit Gott und seinen Menschen dienen möchte.» Also ging sie in ein Krankenhaus im benachbarten Benin.

Fröhlich informierte sie ihre Beter und Spender über die Ankunft in Afrika: «Wenn man immer staubige Füsse hat, bei 20 Grad in der Nacht von Kühle gesprochen wird, man im Advent Zitronen ernten kann und in der Umkleidekabine bei der Arbeit ein Huhn sitzt, dann ist man wohl endlich in Afrika angekommen.» Doch von vorneherein stellten sie Armut, Not und Probleme in Bembéréké auf die Probe. Trotz der für Afrika guten Ausstattung muss sie sich daran gewöhnen, dass ihr als Hebamme Mütter und Kinder bei der Geburt sterben. Nachdenklich ergänzte sie für eine heimische Zeitung: «Es gibt zunächst keine Namen für die geborenen Kinder und man spürt auch keine grosse Freude. Es sterben so viele Kinder, dass man sich Freude wahrscheinlich gar nicht leisten kann…»

Hitze, Entmutigung und ein hilfreicher Psalm

Auf den Internetseiten der DMG schrieb Christina Krappe: «Seit zwei Wochen hat 'La Chaleur' (die Hitze) mit aller Macht Einzug gehalten. Während ich diese Zeilen schreibe, zeigt das Thermometer 42 Grad im Schatten an. Praktisch bedeutet das: Dauerschwitzen, schlaflose Nächte mit feuchten Tüchern und Kühlakkus, die Ventilatoren im Dauergebrauch und zwei-, dreimal am Tag unter die Dusche. Auch die Afrikaner finden es viel zu heiss. Trotzdem hacken meine Haushaltshilfe Lydie und eine andere Frau seit Stunden draussen in der Sonne Brennholz, das sie dringend benötigen. Bei ihrem Anblick wird mir bewusst, dass ich auf höchstem Niveau jammere…» Zu diesen belastenden Umständen kommt die harte Arbeit: Ein Baby starb bei der Entbindung; der Sterilisator im OP war defekt, sodass Schwangere verlegt werden mussten; eine notfallmässig aufgenommene Mutter verstarb.

Aber selbst wenn alles gut läuft, läuft nicht alles gut. Am Ende eines «normalen» Tages beklagte sich eine Kollegin über sie – bei jemand anderem, während sie daneben stand. Die Deutsche erzählt: «Das brachte in diesem Moment das Fass zum Überlaufen. Mein erster Gedanke war: Ich schufte hier seit Monaten und werde noch nicht einmal mit etwas Anstand und Respekt behandelt, obwohl das von mir umgekehrt in hohem Masse erwartet wird. Auf dem Weg nach Hause habe ich geweint…» Der nächste Tag war für Christina frei. Und daheim fand sie einen Zettel mit einem Psalm, den eine Freundin ihr hingelegt hatte, der aber direkt von Gott zu kommen schien: «Erbarme dich über mich, o Gott, erbarme dich! Bei dir suche ich Zuflucht, bei dir bin ich geborgen wie ein Küken, das sich unter die Flügel seiner Mutter flüchtet, bis das Unwetter vorbeigezogen ist. Zu Gott, dem Höchsten, schreie ich, zu ihm, der meine Not wendet und alles zu einem guten Ende führt.» (Die Bibel, Psalm 57, Verse 2 und 3)

Jede Missionarin, jeder Missionar kennt solche Erlebnisse und Entmutigungen. Doch Gott richtet auch wieder auf. Das ist jedenfalls Christina Krappes Erfahrung. Mission ist, wenn man's trotzdem tut.

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Datum: 14.04.2016
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet / DMG interpersonal

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