Unruhige Salomonen

Freikirchen bewähren sich als Friedensträger

Die in Kolonialzeiten britischen und deutschen Inseln der Salomonen sind seit 1980 ein unabhängiger Staat. Ende 2021 wurde er von schweren Unruhen erschüttert. Seitdem ist Ruhe eingekehrt. Evangelische Freikirchen leisten dazu einen grossen Beitrag.
Auf den Salomonen

Die in Kolonialzeiten britischen und deutschen Inseln der Salomonen sind seit 1980 ein unabhängiger Staat. Ende 2021 wurde er von schweren Unruhen erschüttert. Seitdem ist Ruhe eingekehrt. Evangelische Freikirchen leisten dazu einen entscheidenden Beitrag.

Die heute rund 650’000 Bewohner auf rund 1000 Inseln waren ursprünglich Animisten. Eine Vielzahl drohender Geister versuchten sie durch das Opfern von Schweinen gnädig zu stimmen. Heute bekennen sich fast alle zum christlichen Glauben. Knapp über die Hälfte gehören den beiden im Pazifik überwiegenden Gross- und Missionskirchen der Anglikaner und Katholiken an.

Bezeichnend für die Salomonen ist aber die Stärke evangelischer Freikirchen, die 48 Prozent der Insulaner umfassen. So etwa die «Evangelische Kirche Südsee», Methodisten und eine «Christian Fellowship». Den Adventisten haben sich etwa ein Neuntel der Menschen auf den Salomonen angeschlossen. Sie beteiligten sich an der gesamtchristlichen Hilfe, die während der Unrast von ihren Gegnern belagerte und «ausgehungerte» Auslandschinesen am Leben erhalten hat.

Verhängnisvoller Kurswechsel

Die schweren Ausschreitungen hatten im November 2021 in der Hauptstadt Honiara begonnen. Unmittelbarer Anlass war hohe Arbeitslosigkeit. Im Hintergrund stand jedoch der Kurswechsel von Regierungschef Manasseh Sogavare, Sohn eines Adventisten-Missionars, von der Zusammenarbeit mit dem nationalchinesischen Taiwan zur Bindung an das kommunistische Volkschina. Die angeblich reichen chinesischen Händler in «Chinatown» mit ihrem Antikommunismus wurden so Opfer einer Volkswut, an der sich sogar die Nachbarinsel Malaita beteiligte.

Christen versorgen bedrängte Chinesen

Sogavare verurteilte den Pogrom, verfügte jedoch über zu wenig Polizei und Militär, um wirksam dagegen vorzugehen. Adventistische und andere Gemeinden liessen aber den Chinesen Nahrung zukommen, vor allem Obst und frisches Gemüse. Dieser Beistand ging weiter, nachdem Truppen aus Australien und rotchinesische Polizei den Aufstand niedergeworfen hatten. Da viele Menschen traumatisiert sind und sich nach den Plünderungen von 2021 nicht mehr in die Öffentlichkeit wagen, versorgt sie das Hilfswerk «Church Agencies Network for Disaster Operation» (CANDO) weiterhin – von Haus zu Haus.

Freikirchen tragen zur Beruhigung bei

Wenn sich die allgemeine Lage inzwischen dennoch stabilisieren konnte, ist das auch ein Verdienst der «Evangelischen Kirche Südsee». Diese Pfingstchristen sind mit ihrem Anteil von 17 Prozent der Menschen auf den Salomonen fast so stark wie die Katholiken. Ihre Bedeutung in Gesellschaft, Bildung, Kultur und auch in der Lokalpolitik geht aber noch weit über ihre Zahl hinaus. Gesamtsalomonisch sind sie die drittgrösste christliche Kirche, unter den Freikirchen stehen sie an erster Stelle. Besonders stark sind sie in den Unruhezentren Malaita und Guadalcanal vertreten (47%).

Dort tragen sie entscheidend 2022 zu einer weiteren gewaltlosen Befriedung bei: Eine Kirche ohne Amtsträger – von «Ältesten» abgesehen – und ohne bis ins Einzelne festgelegtes Glaubensbekenntnis. Sie geht auf die Neuseeländerin Florence Young (1856 bis 1940) zurück, eine der grossen Frauengestalten bei der Erweckung fernöstlicher Menschen zu Jesus. Sie stammte aus einer frommen Familie von «Plymouth Brethren», jener Brüderbewegung des 19. Jahrhunderts, auf die auch in der Schweiz die «Evangelisch Freikirchlichen Gemeinden» und andere Brüdergemeinen zurückgehen.

Missionarisches Engagement

Young hat auch in der «China Inland Mission» gewirkt. Ihr Hauptverdienst liegt jedoch im missionarischen Bemühen um die Salomonischen «Kanaken». Zunächst um jene von ihnen, die als «Gastarbeiter» australische Zuckerrohrfelder bewirtschafteten. Florence Young lernte die Nöte dieser in der Fremde sozial und religiös entwurzelten Menschen auf der Zuckerplantage ihrer Brüder kennen. Für die noch gar nicht getauften oder nur oberflächlich «christianisierten» Arbeitskräfte gründete die 30jährige 1886 die «Queensland Kanaka Mission».

Sie zielte darauf ab, einer Gewinnung dieser Menschen zur «unchristlichen Bildung oder Zivilisation» zuvorzukommen. Darunter verstand man damals vor allem den Sozialismus. Young zielte aber auch darauf ab, die importierten Arbeiter auf die Mitgliedschaft in ihren ortsansässigen Kirchen vorzubereiten, wenn sie nach Hause zurückkehrten. In den Jahren 1904-1905 beschäftigte die Kanaka Mission 19 bezahlte Missionare und 118 unbezahlte «einheimische Lehrer» und konnte auf 2'150 Bekehrungen zu Jesus hinweisen.

1904 weitete Florence Young die Verkündigung aus: Auf die Inselgruppe der Salomonen selbst, dort unter dem Namen «South Seas Evangelical Mission». Die Evangelische Kirche Südsee (SSEC) wurde 1964 unter ihrem heutigen Namen gegründet. Florence Young hatte bis 1926 jährliche Reisen auf die Inseln unternommen. Es gehört zu ihrem Vermächtnis, dass ihren Christen nicht erlaubt ist, Alkohol zu trinken, Betelnüsse zu kauen oder zu rauchen. Sowohl Männer als auch Frauen sind in allen Aspekten der kirchlichen Lebens aktiv. Die meisten Schulen auf den Salomonen werden von der SSEC gefördert. Alles in Jesu Dienst...

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Datum: 19.01.2022
Autor: Heinz Gstrein
Quelle: Livenet

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