Diskussionsrunde ICF München

Impfen lassen oder nicht?

Die Haltung zur Corona-Impfung spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern auch christliche Gemeinden und Gemeinschaften. Das ICF München veranstaltete dazu einen Youtube-Talk.
Talk im ICF München

Die Haltung zur Corona-Impfung spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern auch christliche Gemeinden und Gemeinschaften. Das ICF München veranstaltete dazu einen Youtube-Talk.

Der Titel der Diskussionsrunde war «Sollen wir uns impfen lassen? Talk mit einer Virologin, zwei Ärzten und einem Pastor». Das Gespräch sollte helfen, so das ICF München, die Gräben zwischen Impfbefürwortern sowie Impfskeptikern und -gegnern zu überbrücken. Wichtig für die Auswahl der Gesprächsteilnehmer sei gewesen, dass alle Christen sind.

Fehlende Langzeiterfahrungen

Dr. med. Harald Fauser, Internist und Hausarzt aus der Nähe von Landshut, wies darauf hin, dass es keine Langzeitstudien zu der Corona-Impfung gebe. Seiner Meinung nach sei die Impfkampagne eine Feldstudie an der Menschheit mit ungewissem Ausgang. Er sei für die Impfung von Menschen, die zu Risikogruppen gehörten (beispielsweise hohes Alter, Übergewicht und Diabetes). Er impfe viele Menschen, für sich aber lehne er die Impfung ab.

Impfung aus gesellschaftlicher Verantwortung

Demgegenüber plädierte Prof. Dr. med. Rolf Eissele für die Impfung. Bei einer Infektionskrankheit gehe es nicht nur um eine persönliche Entscheidung, sondern auch um gesellschaftliche Verantwortung. Geimpfte könnten sich zwar noch anstecken und das Virus verbreiten, allerdings in viel geringerem Masse als Ungeimpfte. Prof. Eisele war Chefarzt einer internistischen Abteilung des Klinikums Fürstenfeldbruck.

Mit Blick auf die Nebenwirkungen der Impfung stellte er fest: «In der Medizin gibt es nichts, was hundertprozentig wirkt und keine Nebenwirkungen hat.»

Impfung ist kein Eingriff in DNA

Die Virologin und Theologin Dr. Mirjam Schilling bezeichnete sich selbst als «Impf-Fan». Sie forscht an der Universität Oxford und betrachtet Impfungen als Privileg, «das wir uns die letzten 120 Jahre erarbeitet haben». Eine Impfung sei nichts anderes als den Körper auf eine Krankheit vorzubereiten. Vermutungen, dass Impfungen mit einem MRNA-Wirkstoff in die DNA eingreifen könnten, wies sie als falsch zurück; das sei auf diesem Wege nicht möglich.

Sie bestätigte, dass es Nebenwirkungen der Impfungen gebe, aber diese stünden nicht im Verhältnis zum Risiko einer Corona-Erkrankung. Es gebe gute und verlässliche Daten zu den Impfungen weltweit. Dass es keine Informationen über die Wirkung der Corona-Impfung nach vielen Jahre gebe, liege an der noch jungen Verbreitung der Krankheit. Auch früher seien Impfungen durchgeführt worden, bevor viele Jahre getestet worden sei.

Sich informieren und dann entscheiden

Tobias Teichen, leitender Pastor des ICF München, zeigte sich besorgt über den Druck, der aktuell von Politik und Gesellschaft auf Ungeimpfte ausgeübt werde. Er rief dazu auf, sich über eine Frage wie die Corona-Impfung in den Gemeinden nicht zu zerstreiten. Jeder solle sich sachlich informieren und nicht nur Gehörtes aufgreifen und dann eine eigene Entscheidung treffen. Angst sei in jedem Fall ein schlechter Ratgeber.

Falle die eigene Entscheidung anders aus als die anderer Christen, gelte es, diese zu respektieren und nicht zu bekämpfen. Zu seiner eigenen Meinungsfindung sagte Teichen: «Ich hab für mich die Entscheidung getroffen, mich impfen zu lassen. Ich will nicht jemand sein, der die Krankheit weitergibt an Leute, für die es gefährlich werden kann.»

Lieblosigkeit ist ein Zeichen der Endzeit

Zur Frage der Impfung könne man verschiedener Meinung sein, nicht aber über die Art und Weise des Umgangs mit Andersdenkenden. Streit und Konfrontation seien nicht der richtige Weg, es spalte Gemeinden und Familien.

Es gelte zu fragen: «Wie gehen wir miteinander um? Haben wir Respekt? Sind wir in der Liebe? Haben wir noch das Ziel, dass Menschen Gott begegnen oder sind wir im Streit verloren?», so Tobias Teichen. Weniger die Corona-Erkrankung als vielmehr der lieblose Umgang miteinander sei für ihn ein Zeichen der Endzeit, über die es in der Bibel heisse, dass in dieser Zeit die Liebe erkalte.

Geteiltes Meinungsbild

Die Kommentierungen auf Youtube zeigten eine geteilte Resonanz: Viele äusserten sich anerkennend, dass das Thema aufgegriffen wurde. Einige bedankten sich für den Aufruf zur Einheit und einem wertschätzenden Umgang. Anderen verlief das Gespräch viel zu sehr Pro-Impfung, was teilweise heftig kritisiert wurde.

Das 37-minütige Video zum Talk ist auf dem YouTube-Channel des ICF München zu sehen.

Zum Video:
Talk «Sollen wir uns impfen lassen?»

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Datum: 13.10.2021
Autor: Norbert Abt
Quelle: Livenet

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