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Kirchen nach Lockdown

Pastoren der AlpenCHURCH: «Eine tolle Gelegenheit, mal auszusortieren!»

Für einige Kirchen war der Lockdown wegen Corona schockierend und lähmend, und das gesamte Kirchenleben lag brach, andere nahmen die Herausforderung als Chance für Neues wie etwa Livestream-Gottesdienste. Gegenüber Livenet erzählt das Pastorenehepaar Annette und Gerhard Kehl von der AlpenCHURCH und Jordan-Stiftung in Kempten von seinen Erfahrungen.

Gerhard und Annette Kehl
Quelle: Autor unbekannt

Wie haben Sie den Lockdown als Pastorenehepaar und Gemeinde erlebt?
Annette Kehl: Als Gemeinde haben wir erlebt, dass die Menschen sich mehr und mehr auf das Wesentliche konzentrieren, und man hat gemerkt, wer wirklich zur Gemeinde gehört und sich bei uns beheimatet fühlt.
Gerhard Kehl: Wir als Pastorenehepaar hatten mehr zu tun als vorher, wir standen kurz vor unserer Hochsaison mit über 30 grösseren Veranstaltungen. Bildlich gesprochen waren wir mit 200 km/h auf der Autobahn unterwegs und mussten nicht nur eine Vollbremsung hinlegen, sondern auch noch den Rückwärtsgang einlegen und mit Vollgas rückwärtsfahren. Manchmal hatten wir das Gefühl, den Lockdown zu verpassen vor lauter Arbeit.

Wo gab es Lichtblicke, Chancen, Weiterentwicklungen?
Annette: Es war eine grosse Freude, zu sehen, wie Gott vermehrt in die Häuser kam. Manche Familien haben das erste Mal in ihrem Leben zu Hause als Familie das Abendmahl gefeiert.
Gerhard: Wir haben während der ganzen Zeit Gottesdienste gefeiert, die online per Livestream miterlebt werden konnten. Viele Nachbarn und Freunde haben diese Gottesdienste angeschaut, weil man einfach anonym teilnehmen konnte. Auch viele ältere Menschen haben dieses Angebot gerne angenommen. Die Besucherzahlen haben sich mehr als verdoppelt.

Gab es Ermutigendes in Ihrem privaten Umfeld?
Annette: Bei unserer jüngsten Tochter habe ich etwas Interessantes entdeckt. Sie ist 16 Jahre und liebt es, mit ihren Freunden unterwegs zu sein. Da entsteht immer wieder Stress: Wie lange darf sie wegbleiben? Welche Party läuft und wer ist mit dabei? Da war ich wirklich in Sorge mit Blick auf den Lockdown und erwartete Megastress. Was allerdings passierte, war komplette Entspannung. Da es keine Partys mehr gab und keiner der Freunde unterwegs sein durfte, haben wir als Familie wieder angefangen zu spielen, gemeinsam Filme zu schauen, und in der Nacht wurde gebacken! Eine sehr schöne Erfahrung, die wir ohne Corona nicht gehabt hätten.

Gab es einen bestimmten Bibelvers oder einen Song, der Sie durch die Corona-Zeit begleitet hat?
Gerhard: In den letzten Monaten hat uns besonders Psalm 91 Hoffnung und Mut gemacht. «Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.» Mitten in der Ungewissheit, in der Not und in der Pandemie gründet sich unsere Hoffnung und unsere Zuversicht auf unseren Herrn, und unter seinen Flügeln sind wir sicher.

Wie erleben Sie jetzt nach drei Monaten Lockdown die Kirchen-Lockup-Phase?

Gerhard: Jetzt kommen wir in die Phase, wo wir wieder Gottesdienste feiern und das Leben wieder hochfährt. Dabei bietet sich eine grosse Möglichkeit, auszusortieren. Der Lockdown war wie ein grosses Zimmer, das vollständig ausgeräumt wurde – und wenn wir es jetzt wieder einräumen, sollten wir uns bei jedem Möbelstück fragen, ob es wieder hinein soll, bei jedem Bild, ob es wieder aufgehängt werden soll und bei allem, was wir in das Zimmer tragen, ob es wieder an den gleichen Platz kommen soll wie vorher. Das ist eine Chance. Unser Leben war so vollgestellt, das ist eine gute Gelegenheit innezuhalten, bevor wir es wieder füllen.

Geht es nach Corona zurück zum Business as usual oder haben Sie neue Ideen und Konzepte für die Zeit danach?
Annette: Wir empfinden eine neue und starke Offenheit gegenüber dem Evangelium, und es ist jetzt an der Zeit, mutig die frohe Botschaft zu verkünden und von der Hoffnung zu sprechen, die in uns lebt. Es ist wichtig, dass die Menschen sich wieder aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Da spüren wir noch einige Hemmungen, und einige haben es sich auch auf dem Sofa bequem gemacht.

Welche konkreten Schritte und Veränderungen planen Sie?
Gerhard: Wir werden dem Livestream mehr Gewicht geben als vorher und gleichzeitig verstärkt dazu ermutigen, sich in einer Ortsgemeinde zu beheimaten und zu verwurzeln. Durch die Zeiten, die vor uns liegen, kommen wir nur zusammen hindurch, und in einer Zeit von unzähligen unverbindlichen Angeboten werden Bündnisse wieder eine entscheidende Rolle spielen.

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