Der Krise trotzen

Die 10 Gebote für Unternehmer in der Corona-Krise

Mario Brühlmann, Unternehmer und Förderer von KMUs in Schwellen- und Entwicklungsländern, hat 2012 ein Buch publiziert, in dem er die Zehn Gebote als Handlungsanweisungen für Unternehmer interpretiert. Wie wirken sich diese Gebote in der aktuellen Krise aus?
Nepalesische Kleinunternehmer erarbeiten ein Geschäftsmodell
Mario Brühlmann mit Mentorin Hien bei der Mentorenausbildung
Mario Brühlmann

Mario Brühlmann, Sie waren weltweit an der Gründung von mehreren Tausend Unternehmen beteiligt, wie geht es diesen Unternehmen in der Corona-Krise?
Mario Brühlmann: Das Coronavirus hat auch vor den Toren unserer Unternehmen nicht Halt gemacht. Auch bei uns sind die Branchen unterschiedlich betroffen. Nun zeigt sich die Qualität der Geschäftsmodelle. Mit den zehn biblischen Geboten legen wir in den Unternehmerseminaren ein sturmfestes Fundament für die Firmen. Da geht es zum Beispiel um Weitsicht und Mässigkeit. Viele Unternehmen haben in den guten Jahren nach biblischem Rat finanzielle Reserven angelegt. Diese helfen ihnen jetzt zum Überleben. Das Thema Reserven ist vielen Kleinunternehmern völlig unbekannt. In den meisten Schwellen- und Entwicklungsländern bestehen auch keine Rettungsschirme, wie wir sie in der Schweiz kennen. Mangelnde Liquidität ist der häufigste Grund für Konkurse.

Wie gehen Sie und die Betroffenen damit um?
Ein entscheidender Faktor ist die Treue in Beziehungen. Vertrauensvolle Partnerschaften in der Wertschöpfungskette machen sich heute bezahlt. Falsche Abhängigkeiten sind in einer Krise tödlich. Gute Partnerschaften entstehen aber nicht zufällig. In unseren Trainings konnten die Unternehmer lernen, tragfähige Beziehungen zu Lieferanten und Kunden aufzubauen. Doch nicht alle Unternehmer haben das Gelernte in die Praxis umgesetzt. Einige werden die Corona-Krise daher nicht überleben. Vielleicht verstehen sie nun wenigstens die Gründe dafür. Die meisten aber werden gestärkt und mit einem tieferen Verständnis der Zehn Gebote für Unternehmer aus der Krise herausfinden.

Können Sie die betroffenen Unternehmer unterstützen?
Schon vor einigen Jahren haben wir in den KMU-Projekten der Christlichen Ostmission ein Konzept der Business-Mentoren-Schulung eingeführt. Damit sind Hunderte lokale Unternehmer als Mentoren in der Lage, Jungunternehmer mit unseren Trainingsmaterialien auszubilden und zu unterstützen. Besonders hilfreich ist ihnen dabei unsere eigens entwickelte Start-up Cloud Software. Unseren westlichen Experten ist das Reisen zurzeit verunmöglicht. Die lokalen Mentoren arbeiten aber weiter. Das nötige Wissen haben sie ja schon. Dieses teilen sie vor Ort oder mittels digitalen Medien. Von uns brauchen sie im Moment finanzielle Mittel, damit sie reisen und wo nötig materielle oder finanzielle Hilfe leisten können. In besonders ärmlichen Gegenden verteilen die Mentoren der Christlichen Ostmission nun Lebensmittel. Nach der Krise werden sie mit neuer Kraft und Motivation wieder Geschäftsmodelle entwickeln, damit viele Kleinunternehmer für sich selbst sorgen können und nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Hat die Digitalisierung auch die Kleinunternehmer in Entwicklungs- und Schwellenländern erreicht?
Ja. Seit zwei Jahren unterrichten wir unsere Partner auch im Umgang mit der digitalen Transformation. Dieses Wissen wird nun schneller als erwartet zum Segen für unsere Unternehmer. Etliche unter ihnen sind nun in der Lage, digitale Möglichkeiten in der Produktion, Logistik und Kommunikation zu nutzen. Besonders wertvoll ist die digitale Vernetzung von unterschiedlichen Knowhow-Trägern. Vor allem in Vietnam werden diese Möglichkeiten rege genutzt.

Wie weit orientieren sich diese Unternehmer an den Zehn Geboten, und wie setzen sie diese Werte aktuell um?
Bei den biblischen Zehn Geboten geht es nicht nur um Werte. Es geht hauptsächlich um eine persönliche Gottesbeziehung und darum, wie diese unser praktisches Leben beeinflusst. Ein Verständnis für hehre Werte finden wir in allen Religionen und Kulturen. Das genügt aber nicht. Eine Gottesbeziehung als Christ ist einzigartig und öffnet ungeahnte Schaffens-Perspektiven. Sie verlangt aber klare Entscheide. Das gefällt nicht allen.

Wie gewinnen Sie diese Leute dafür?
Die weltweit vertraute Business-Sprache und praktische Zeugnisse von christlichen Unternehmern bauen Vertrauen auf und ermöglichen tiefe Gespräche über die wirklich wesentlichen Fragen. Unsere Trainings sind nicht Evangelisationsveranstaltungen, das wäre in den meisten Ländern unerwünscht oder gar verboten. Wir unterrichten vor allem praktische Betriebswirtschaft. Persönliche Zeugnisse unserer Mentoren lösen aber Fragen aus, und hier erleben wir eine erstaunliche Offenheit. Eine grosse Hilfe ist auch mein Buch über die Zehn Gebote für Unternehmer, das in zahlreiche Sprachen übersetzt worden ist. Darin beschreibe ich meinen persönlichen Weg als Christ und Geschäftsmann. Unternehmer aus verschiedenen Kulturen und Religionen entwickeln heute aufgrund der Prinzipien und Anleitungen in diesem Buch ihr Geschäftsmodell. Die Rückmeldungen sind ermutigend.

Sehen Sie aufgrund der aktuellen Krise Konsequenzen bei der Gründung weiterer Unternehmen?
Alles, was ich unterrichte, muss multiplizierbar sein und von mir unabhängig funktionieren. Aus diesem Grund habe ich das «Swiss Create-Haus» entwickelt. Es beschreibt das umfassende System eines Firmenaufbaus. Es webt Methoden der professionellen Betriebswirtschaft zusammen mit unternehmerischem Denken und göttlicher Inspiration. Wenn Businessmentoren dieses System kennen und begreifen, sind sie in der Lage, jede Art von Firmen zu starten und über die verschiedenen Entwicklungsstufen zu begleiten.

Jede Art von Firmen?
Ja, denn das System ist allgemein gültig. Die Anwendung ist höchst flexibel und erlaubt eine dauernde Anpassung und Weiterentwicklung. Das ist zentral. Agilität heisst das Zauberwort, um gestärkt aus der Krise zu kommen. Wir müssen aus Erfahrungen lernen, diese aber nicht blindlings kopieren, sondern den neuen Gegebenheiten anpassen. Deshalb sollen die Mentoren das System verstehen, nicht nur Wissen anhäufen. Unternehmer, die ihr Geschäftsmodell mit dem Swiss Create-System entwickeln, bauen auf Felsen – und trotzen der Corona-Krise und den Krisen, die mit Sicherheit noch folgen werden.

Über Mario Brühlmann

Mario Brühlmann, geb. 1951, verheiratet, zwei Kinder, ist ein international tätiger Unternehmensberater und Trainer von Führungskräften. Seit 1991 unterstützt er die Christliche Ostmission COM im Bereich Gewerbeförderung. 2009 gründete er «Swiss Create», den Non-Profitbereich der Swiss Consulting Group. Brühlmann ist spezialisiert auf den Aufbau von Förderungskonzepten für kleine und mittlere Unternehmen, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern. Er war an mehreren Tausend Firmengründungen und -erweiterungen in der Schweiz, in Osteuropa und Asien beteiligt.

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Datum: 05.05.2020
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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