Pastor im Doppelberuf

Erst von Demonstranten angeschrien, dann über Liebe predigen

Er ist Polizist und Pastor – eine ungewöhnliche Kombination. Doch für Noah Winningham hat die Situation viele Vorteile, auch wenn er teilweise sehr gefordert ist.
Noah Winningham und seine Frau

Nie hätte Noah Winningham aus Seattle gedacht, dass er mal in einem Doppelberuf arbeiten würde. Ursprünglich war er nur bei der Polizei in Seattle, bis er im Herbst 2019 die Sufficient Grace Church gründete, die Teil des Acts 29-Netzwerkes ist, das vom bekannten Pastor Matt Chandler geleitet wird.

Doppelberufung?

«Meine Frau und ich wussten, dass Gott mich nicht aus der Polizei holen wollte, denn insbesondere in meinem Bereich gibt es nicht viele christliche Polizisten», erklärte Winningham gegenüber The Christian Post. «Unter Polizeibeamten gibt es eine hohe Selbstmordrate, viel Alkoholmissbrauch und enorm viele Depressionserkrankungen. Wir wussten, dass Gott mich hier haben wollte.»

Doch gleichzeitig nahm das Ehepaar ein starkes geistliches Bedürfnis in ihrer Nachbarschaft war und die Notwendigkeit einer Gemeinde, die ganz klar das Evangelium verkündet. «Es war ein langer Prozess, im Grunde zwei Jahre, in denen wir damit rangen, wie diese zwei Berufungen zusammen funktionieren könnten. Aber wir beide merkten letztlich: 'Ok, Gott möchte nicht nur, dass ich eine Kirche gründe, er möchte, dass ich beides tue.'»

Burnout-Prävention

Einfach ist diese doppelte Belastung sicherlich nicht, vor allem, da gerade die Berufsgruppen der Pastoren und Polizisten stark Burnout-gefährdet sind. Von Anfang an suchte er deshalb geistliche Unterstützung von den Ältesten der Gemeinde und einem Seelsorger, mit dem er sich regelmässig trifft.

Auf der anderen Seite wurde Seattle seit der Gründung der Gemeinde immer wieder von heftigen Unruhen und Protesten heimgesucht, die ihn als Polizist natürlich auch gefordert haben. «Es ist interessant, wenn man stundenlang angeschrien wird und dann am folgenden Wochenende über das Johannesevangelium predigen muss…», sagt er augenzwinkernd. Die heftigen Dinge, die er während der Ausschreitungen erlebt hat, hätten in ihm eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst, die er immer noch am aufarbeiten ist.

Authentische Antworten

Doch trotz der Herausforderungen sieht er vor allem die Vorteile, die ihm seine Doppelberufung bringt. «Ich habe viele echt beängstigende Kämpfe durchlebt, habe schreckliche Selbstmord-Szenen durchgemacht. Dann kommen die Jungs zu mir und fragen: 'Wieso hat Gott das zugelassen?' Kein anderer Polizist kann so etwas beantworten. Sie wissen, dass ich kein Unbeteiligter bin, der einfach nur dazukommt und Platitüden von sich gibt darüber, wer Gott ist. Ich war mit dabei…»

Aber auch in seiner Arbeit als Seelsorger komme ihm dies zugute. «Ich glaube, dass der Fakt, dass ich Polizist bin, mich zu einem besseren Pastor macht und der Fakt, dass ich Pastor bin, zu einem besseren Polizisten. Gott hat meine Fähigkeit bewahrt, mental zwischen den zwei Welten hin und her zu wechseln.» Und er habe ihn immer wieder beschützt.

Bei Gott auftanken

Laut einer Barnastudie üben 26 Prozent der US-Pastoren einen zweiten Beruf oder eine anderweitige Rolle aus. Einige täten dies aus finanzieller Not heraus, aber die Motivation der meisten liege darin, ihre Begabungen auch anderweitig auszuüben. Letzteres ist definitiv bei Noah Winningham der Fall. «Meine Hoffnung und mein Gebet ist, dass ich weiterhin bei der Polizei von Seattle arbeiten kann, und auch Hauptpastor dieser Gemeinde sein darf», erklärt er, gibt aber auch zu, dass er bereit wäre, Dinge zu verändern, falls dies Auswirkungen auf seine psychische Gesundheit habe. «Doch solange ich die Dinge in Balance halte und Gott immer noch meinen Motor auflädt, so dass ich Energie für das habe, was ich tue, möchte ich weitermachen und an den Orten dienen, an denen ich mich befinde.»

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Datum: 14.09.2021
Autor: Leah MarieAnn Klett / Rebekka Schmidt
Quelle: Christian Post / Übersetzt und bearbeitet von Livenet

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