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Unglaubliche Veränderungen

Marsch für Jesus in Khartum

In Sudan hat 2020 für die Christen am Oberen Nil gut begonnen: Nach langer Unterdrückung läuteten erstmals wieder Kirchenglocken. In der Hauptstad fand sogar ein Jesus-Marsch statt.

Khartum
Quelle: Wikipedia
Strasse in Khartum
Quelle: Pixabay
Jesus-Marsch in Khartum
Quelle: Uganda Christian News

Die demokratische Übergangsregierung hatte den 25. Dezember zum öffentlichen und allgemeinen Feiertag erklärt. In der Hauptstadt Khartum, die 2019 vom Aufstand gegen Langzeitdiktator Omar al-Baschir erschüttert wurde, sind die Demonstranten aus den Strassen verschwunden. Dafür formierte sich spontan ein «Marsch für Jesus»: Anglikaner und Evangelikale, Katholiken und Lutheraner bezeugten damit erstmals seit Jahrhunderten frei ihren Glauben.

Einst eine christliche Grossmacht

Erinnerungen an die alten Zeiten wurden wach, als Sudan eine christliche Grossmacht war, die der islamischen Expansion als einzige die Stirn bot und 748 sogar Kairo belagerte. In der Folge kam es ein halbes Jahrtausend lang zu gutem Einvernehmen zwischen arabischen Muslimen und Sudans «nubischen» Christen. Der neue Regierungschef in Khartum, Abdallah Hamdok, nannte das geschichtliche Ereignis beispielhaft für einen neuen Zusammenhalt zwischen den sudanesischen Religionsgemeinschaften. Es gelte, wie einst «die religiöse Vielfalt zu respektieren und es allen Sudanesen zu ermöglichen, nach ihrem Glauben in Sicherheit und Würde zu leben».

Religionsminister bittet Christen um Vergebung

Religionsminister Nasser ed-Din Mufarah bat Sudans Christen um Vergebung für alle Ungerechtigkeiten, die sie in den letzten Jahrzehnten zu ertragen hatten. In einer Neujahrsbotschaft entschuldigte er sich besonders für die Körperstrafen und Todesurteile, die über christliche Angeklagte verhängt wurden. Mufarah wusste, was er da abzubitten hatte: Auspeitschungen von Pfarrern wegen des Gebrauchs von Abendmahlswein oder die Bedrohung einer hochschwangeren Frau mit der Hinrichtung als «Christenhure» und wegen «Abfall vom Islam».

Missionskirchen und Kopten im Visier

Es handelte sich um eine Koptin aus jener ägyptischen Kirche, die Sudan einst missioniert hatte. Koptische Christen sind bis zu den Quellen des Nils erst im 19. Jahrhundert mit der Ausdehnung Ägyptens nach Süden zurückgekehrt, die folgende britische Kolonialherrschaft brachte vorwiegend evangelische und auch katholische Glaubensboten. Nach Sudans Unabhängigkeit von 1956 sollten zunächst alle «kolonialistischen» Missionare vertrieben werden, ausgenommen waren nur die Kopten als «Afrikaner». Unter Omar al-Baschir gerieten sie dann mit allen anderen Mitchristen in dieselbe Bedrängnis.

«Wahre Religionsfreiheit»

Nach der Wende in Khartum vertritt jetzt die koptische Juristin Rayaa Nicol Abdel Masih Sudans gesamte Christenheit im «Übergangsrat», der das Land bis 2022 in freie Wahlen führen will. Zum Neujahr der Kopten am 13. Januar hat sie sich hinter die Zusagen der Muslim-Politiker an die Christen gestellt. In Sudan habe wahre Religionsfreiheit begonnen und nicht nur die sonst bestenfalls übliche islamische Duldsamkeit für Kult und Glaubensunterweisung in schon bestehenden christlichen Gemeinden: «In Khartum werden wir jetzt nicht nur für Jesus marschieren, sondern ihn frei der islamischen Umwelt verkünden!» Dafür beruft sich Frau Abdel Masih – zu deutsch: Dienerin Jesu – neben dem Wort ihrer Kollegen auf den alten und einzigartigen arabisch-sudanesischen «Pakt» (baqt), der beiden Seiten volle Religionsfreiheit zugesichert hatte.

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