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Selbst unter Evangelikalen

USA: Deutliche Mehrheit gegen Corona-Ausnahmen für Kirchen

79 Prozent der US-Amerikaner sind dagegen, dass die Corona-Versammlungsverbote für Kirchen anders interpretiert werden. 19 Prozent dagegen verlangen mehr Flexibilität vom Staat, wenn es um Gottesdienste geht.

Worship in einer Kirche (Bild: Unsplash)
Quelle: unsplash.com

Die Frage, ob Corona-Einschränkungen für Kirchen und Gottesdienste in die Religionsfreiheit eingreifen, ist in den USA mehr als in Europa ein Politikum (siehe z.B. das Interview mit John McArthur). Das PEW-Forschungszentrum (Washington D.C.) hat nun in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden, dass drei Viertel der praktizierenden Christen der Meinung sind, dass Kirchen den gleichen Corona-Versammlungsregeln unterworfen sein sollten wie z.B. Firmen oder andere Organisationen. Selbst unter den – traditionell freiheits-bewussteren – evangelikalen Protestanten sind es immer noch 62 Prozent, unter den Republikanern ebenfalls zwei Drittel. Zur Zeit der Erhebung (Mitte Juli) fanden nur 13 Prozent der Kirchenbesucher, dass ihre Versammlungsorte genau so offen sein sollen wie vor der Pandemie.

Ethnische Unterschiede

Eine Zweidrittelmehrheit von weissen Gottesdienstbesuchern ist der Überzeugung, dass es für sie im Moment sicher ist, einen Gottesdienst zu besuchen: 75 Prozent der Evangelikalen, 59 Prozent der Katholiken und 56 Prozent der Protestanten sind überzeugt, in der Kirche keinen Virus einzufangen. Deutlich weniger Besucher von schwarzen (49 Prozent) und Hispano-Gemeinden (49 Prozent) finden momentan einen Gottesdienstbesuch sicher. Bereits das Zentrum für Gesundheitskontrolle und -prävention hatte festgestellt, dass Menschen aus ethnischen Minderheiten einem erhöhten Corona-Risiko ausgesetzt sind.

Verlagerung auf Online-Gottesdienste

Etwa die Hälfte (49 Prozent) der US-Christen, die mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst besuchten, haben in den letzten Monaten den physischen durch den online-Gottesdienstbesuch ersetzt. Fast zwei Drittel von ihnen gehen «virtuell fremd», das heisst sie schauen auch Gottesdienste von anderen als ihren eigenen Gemeinden. Und 90 Prozent der Besucher von online-Gottesdiensten sind zufrieden bis «sehr zufrieden» mit dem, was sie sehen. Übrigens: 70 Prozent der Besucher von online-Gottesdiensten spenden weiter für ihre Gemeinde wie vorher.

Langzeit-Folgen

Wird die Pandemie dazu beitragen, dass Menschen die grossen Gottesdienste eher leid sind? Werden sie sich an die Bequemlichkeit des heimischen Sofa-Gottesdienstes gewöhnen? Wird die Pandemie auf der anderen Seite eine Belebung des religiösen Interesses bewirken? Die TED-Umfrage deutet darauf hin, dass im Moment keine verbreiteten und dauerhaften Veränderungen im Gottesdienstverhalten zu erwarten sind. 92 Prozent derer, die vor Corona regelmässig den Gottesdienst besuchten, wollen nach der Krise wieder zu ihrem normalen Verhalten zurückkehren. Nur 2 Prozent planen, den normalen Gottesdienst durch online-Veranstaltungen zu ersetzen. Auf der anderen Seite ist im Moment auch kein deutlich erhöhtes religiöses Interesse zu erwarten: nur 8 Prozent der Befragten deuten an, dass sie «nachher» mehr in den Gottesdienst gehen wollen.

Keine Auskunft gibt die TED-Umfrage zu dem tiefergehenden Thema, ob in den USA das Selbstverständnis der Kirchen hinterfragt wird – zum Beispiel auf die Frage hin, ob denn Treffen in Häusern nicht genau so «Kirche» sind wie die grossen Gottesdienste. Livenet wird an dieser wichtigen Frage dranbleiben.

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