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Indien: Corona und Fanatismus

Den Verfolgten beistehen – die Verfolger durch Liebe bezwingen

Indien wird zum grossen Corona-Sorgenfall. Die amtliche Zahl der Corona-Infizierten hat Anfang August die Marke von einer Million überschritten. Fast 26'000 Corona-Tote sind registriert. Mit den Schrecken der Pandemie hat auch der Hass der Hindu-Bevölkerung auf religiöse Minderheiten zugenommen. Ihnen wird die Schuld an der Seuche zugeschoben.

Indische Männer mit Maske
Quelle: unsplash.com
Shibu Thomas
Quelle: Facebook

Wegen geringer Testkapazitäten ist das Corona-Bild in Indien wohl sehr unvollständig. Experten sprechen von «gewaltigen Dunkelziffern». Es gebe 20 bis 30 Millionen Ansteckungen in dem Land mit über 1,3 Milliarden Einwohnern.

Zunahme von Hassverbrechen gegen Christen

Die Hassverbrechen an der kleinen christlichen Herde (der Anteil beträgt nur etwa einem Zwanzigstel der Gesamtbevölkerung) haben während des Corona-Lockdown um mehr als 40 Prozent zugenommen. Insgesamt gab es in diesem Jahr bereits 293 Gewaltakte gegen Christen, darunter fünf Vergewaltigungen und sechs Morde, heisst es in dem Ende Juli veröffentlichten ersten Halbjahresbericht des «Persecution Relief». Es handelt sich dabei um eine von Pfingstchristen getragene ökumenische Organisation, die Angriffe auf die christliche Minderheit in Indien dokumentiert. Ebenso zeigt sie auf, wie in der Verfolgung die Jüngerinnen und Jünger anwachsen.

Kein Platz für nicht-hinduistische Religionen

Die nachgewiesenen Fälle stellen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Gewalt gegen Christen dar, betonen die Autoren des Halbjahresberichtes. «Die bösartige Grausamkeit dieser Verbrechen enthüllt die verdorbene Mentalität und Haltung der religiösen Extremisten in dieser Zeit», wird der Gründer von «Persecution Relief», Shibu Thomas, zitiert.  Er war schon ein erfolgreicher Geschäftsmann, als er vom Anruf Gottes erfasst wurde. In einem Indien, das inzwischen die hindu-nationalistischen «Indische Volkspartei» regiert. Ihr radikaler Flügel erstrebt einen Staat auf der Grundlage hinduistischer Werte, in dem andere Religionen keinen Platz haben.

Der Bericht von «Persecution Relief» bestätigt weiter das allgemein gültige Bild von Einschränkungen der Religionsfreiheit in Indien. In den vergangenen sieben Jahren ist es in der «World Watch List» des Hilfswerks «Open Doors» von Platz 31 auf Platz 10 der Länder mit Christenverfolgung aufgerückt. 2020 bezeichnet die Kommission für internationale Religionsfreiheit des US-Aussenministeriums (USCIRF) Indien zusammen mit Ländern wie China und Nordkorea als Staat, auf den ein besonderes Augenmerk hinsichtlich der Religionsfreiheit gerichtet werden müsse.

Verfolgten beistehen – Verfolger lieben

Im Unterschied zum pessimistischen Unterton anderer Verfolgungsberichte aus Indien zeichnet sich die Arbeit von «Persecution Relief» und seines Gründers Shibu Thomas durch ihren Geist christlicher Hoffnung aus. Getreu dem Grundsatz «Den Verfolgten beistehen – die Verfolger durch Liebe bezwingen!» zeigt Thomas überall auf, welche Verkündigungskraft dem Zeugnis für Jesus innewohnt: «Vor den Morden von Khandamal in Odisha 2018 war die Zahl der Christen in Indien sogar rückläufig. Nach diesen blutigen Gemetzeln nahmen sie sprunghaft zu, sind auch jetzt unter – oder gerade wegen Corona» weiter im Wachsen.

Pfingstgeistliche Erweckung

Die ersten Pfingstmissionare kamen schon bald nach dem ersten «Azuza Street Revival» 1909 nach Südindien, wo sie traditionelle orientalische Christen antrafen, die dort seit der syrischen Mission im Mittelalter bestanden. Sie bemühten sich um ihre pfingstgeistliche Erweckung. 1921 gründete Robert F. Cook für sie die «Malankarische Kirche Gottes des vollen Evangeliums». In der Folge breiteten sich die «Assemblies of God» und die «Church of God» vor allem bei den vom Kastensystem der Hindus ausgeschlossenen «Unberührbaren» (Dalit) und in Stammesgebieten des Nordostens mit ihren alten Naturreligionen aus.

Jesus befreit die indischen Frauen

Eine besonders starke Hinwendung zu Jesus greift unter den indischen Frauen um sich. Sie sind in der hinduistischen Gesellschaft genauso entrechtet wie im Islam, der Indiens zweitstärkste Religionsgemeinschaft darstellt. An diese Frauen, die noch immer Opfer von Gruppenvergewaltigungen werden, früher verwitwet sogar mit den Leichen ihrer Männer verbrannt wurden, wendet sich geziehlt die «Sharon Fellowship Church», gegründet 1953 von zehn Männern und Frauen um Pastor P.J. Thomas. «Sister» Aleyamma Thomas errichtete Indiens erstes weibliches Ausbildungszentrum, das »Sharon Women's Bible Centre».

Gebetshilfe und solidarischer Protest

So sind Shibu Thomas und sein landesweites Netzwerk trotz der sich wieder verschärfenden, Corona-bedingten Verfolgung zuversichtlich für die Zukunft der Kirche in Indien. Je brutaler die christenfeindlichen «Hindutva»-Milizen zuschlagen, niederbrennen, morden und vergewaltigen, desto mehr erstarkt die innere Kraft der indischen Christinnen und Christen. Es ist globale Aufgabe aller Glaubensgeschwister, ihnen dabei Gebetshilfe zu leisten. Das heisst aber nicht, dass die christliche Welt ohne Protest hinnehmen soll, was in Indien geschieht. Religionsfreiheit muss bei aller Leidensbereitschaft überall verteidigt werden!

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