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Nicht einseitig, aber hilfreich

Was ist eigentlich Glaube?

Wer über «den» Glauben redet, vergisst schnell, dass Glaube sich nicht nur durch unterschiedliche Adressaten (sprich: Götter) unterscheiden kann. Auch «der» Glaube an den Gott der Bibel kann sehr unterschiedlich aussehen. Das war übrigens schon immer so.

Frau mit Bibel
Quelle: unsplash.com

Ein kurzer Blick ins Neue Testament zeigt, wie unterschiedlich Menschen auch damals ihren Glauben gelebt haben. Und dass das Ergebnis dieser völlig unterschiedlichen Vertrauenshandlungen Heilung und Hilfe ist.

Glaube ist laut

Der Evangelist Markus stellt uns einmal einen Blinden vor, Bartimäus (Markus Kapitel 10, Vers 46ff). Aufgrund seiner Behinderung blieb ihm nichts anderes übrig, als zu betteln. Als Jesus in seiner Nähe vorbeikam, erkannte er seine Chance und rief nach ihm. Was für ein aufdringliches und unpassendes Verhalten! Das fanden auch die Leute damals. Sie versuchten es im Guten und sie drohten ihm, doch Bartimäus schrie einfach weiter, so lange, bis Jesus schliesslich Notiz von ihm nahm und ihn schlussendlich heilte.

Der Bibeltext setzt seinen Schwerpunkt allerdings nicht auf die wunderbare Heilung, er betont, was Jesus zum Abschluss sagte: «Dein Glaube hat dich gerettet.» Bartimäus war hartnäckig und penetrant. Und sein unerschrockener, lauter Glaube kam zum Ziel. Zum Glück für alle Leisen ist das aber nicht allgemeingültig.

Glaube ist schüchtern

Lukas, der Arzt unter den Evangelisten, erwähnt eine kranke Frau. Seit zwölf Jahren litt sie an unklaren Blutungen. Das hatte sie finanziell ruiniert und gesellschaftlich geächtet, denn sie war «unrein». Im Abseits. Sie durfte keinen Kontakt zu anderen haben; alles, was sie anrührte, wurde ebenfalls unrein. Alle ihre Bemühungen, gesund zu werden, waren vergeblich gewesen. Irgendwo hatte sie von Jesus gehört, und hoffte auf Hilfe von ihm, doch öffentlich fragen? Niemals hätte sie sich das getraut. So schlich sie sich an ihn heran und berührte heimlich den Zipfel seines Gewandes. Sofort war sie geheilt. Das Ganze fand zwar in einem grossen Gedränge statt, doch Jesus hatte es bemerkt. Er stellte sie zur Rede. Sie gestand alles und Jesus bestätigte wieder: «Dein Glaube hat dich gerettet.» Auch wenn er sich diesmal ganz anders äusserte: schüchtern, anonym und von der Umgebung unentdeckt.

Glaube ist sachlich

Der nächste «Glaubensheld» ist ein Soldat und Heide. Lukas erzählt, wie ein römischer Hauptmann Jesus anfragen liess, ob er nicht seinen Angestellten gesund machen könnte. Überraschend für seine Jünger machte sich Jesus auf den Weg. Doch so viel Umstände fand der Offizier unnötig. Er wusste, dass Jesus sein Haus eigentlich nicht betreten durfte. Vor allem aber war er als Soldat im Umgang mit Befehls- und Autoritätsstrukturen vertraut. Dieser Logik folgte er auch in seinem Glauben und meinte deshalb zu Jesus: «Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund!» Warum? Weil Jesus für ihn oben in der Befehlskette stand. Und er hatte recht!

Damit verblüffte er Jesus, der solchen Glauben in Israel noch nicht gefunden hatte. Und Jesus heilte den Angestellten – ohne direkten Kontakt und grosses Drumherum. Eigentlich gehörte der Hauptmann gar nicht zur Zielgruppe von Jesus. Als Heide war er «draussen». Und Jesus verlangte nicht, dass er das ändern musste. Stattdessen lobte seinen sachlichen, nüchternen und erwartungsvollen Glauben.

Glaube ist emotional

Ein weiteres Beispiel erzählt wiederum Lukas. Er berichtet überhaupt von vielen Einzelbegegnungen mit Jesus. Eine Frau kam zu ihm, die als «Sünderin» beschrieben wird. Manche vermuten, dass sie eine Prostituierte war, doch das bleibt unklar, jedenfalls war sie weder geachtet noch erwünscht. Schon gar nicht beim Festessen, zu dem Jesus eingeladen war. Diese Frau fasste sich ein Herz und drang in die Festgesellschaft ein. Sie riskierte ihre Demütigung und ihren Hinauswurf – und alles, um Jesus ihre Achtung und Liebe zu erweisen. Sie warf sich ihm zu Füssen, goss unwahrscheinlich kostbares Öl darüber und weinte hemmungslos. Und dann verursachte sie den nächsten Skandal, indem sie ihr Haar öffnete, um Jesus damit die Füsse zu trocknen. Diese Geste war damals so skandalös, als hätte sie sich ausgezogen. Alle waren wie erstarrt, bis auf Jesus. Der fand die Frau klasse und sagte ihr direkt zu: «Dein Glaube hat dich gerettet.» Dabei hatte sie gar keine Bitte geäussert. Ganz anders als bisher zeigt sich ihr Glaube überschwänglich, emotional, die Nähe suchend und für andere unpassend.

Glaube bis heute

Für die Menschen zu neutestamentlicher Zeit sah Glaube anders aus als heute: Er war jüdischer geprägt, hatte viel mit dem Gesetz zu tun und war insgesamt patriarchalischer. Seitdem wurde Glaube immer wieder anders gelebt. Was früher wichtig war, spielt heute vielleicht keine Rolle mehr, und in 20 Jahren wird sich noch einmal viel geändert haben: «Wie bitte, vor der Corona-Pandemie hat man wirklich so geglaubt?» Doch die Beispiele aus den Evangelien unterstreichen: Es ging noch nie darum, wie man glaubt, sondern an wen. Wer sich vertrauensvoll an Jesus Christus wendet (nichts anderes bedeutet Glaube), dem versichert er bis heute: «Dein Glaube hat dich gerettet.»

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