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Wegen Instagram-Bild

Falwell als Universitäts-Präsident «beurlaubt»

Er liebte die Provokation, jetzt hat er den Bogen offenbar überspannt: Jerry Falwell jr. wurde als Präsident der grössten christlichen Universität der USA «auf unbestimmte Zeit beurlaubt». Der Grund: ein peinliches Foto auf Instagram.

Jerry Falwell Jr.
Quelle: Wikipedia

Sein Vater Jerry Falwell (1933-2007) gründete seinerzeit die «Moral Majority» und die Liberty University, die mit 46'000 Studenten heute die grösste christliche Universität der USA ist. Sein Sohn Jerry (Jahrgang 1962) ist seit 2007 ihr Rektor. Wie sein Vater, scheute er die Provokation nicht; Falwell war Teil des Unterstützerkreises von Donald Trump, von dem er sagte: «Wir haben halt nicht einen Pastor, sondern einen Chef in diese Position gewählt.»

Mediale Ausreisser

Jetzt wurde Falwell seines Postens als Präsident und Rektor der Liberty University enthoben bzw. «auf unbestimmte Zeit in Urlaub geschickt». Der Grund war ein Instagram-Foto, in dem er mit offener Hose, den Bauch z.T. sichtbar, eine Bekannte im Arm hält, die offensichtlich schwanger und deren Hose ebenfalls offen ist. In der Hand hält Falwell ein Glas mit einem alkoholischen Getränk. Falwell bereute es später, das Foto auf Instagram gepostet und die Frau blamiert zu haben. Seine Erklärung sinngemäss: «Es ist die Assistentin meiner Frau; sie ist schwanger, ihre Jeans passten nicht über ihren Bauch, und ich hatte auch Jeans an, die ich lange nicht getragen hatte. So habe ich mich ihr angepasst». Und weiter: «Ich habe mich überall entschuldigt. Und ich habe meinen Kindern versprochen, von jetzt an ein guter Junge zu sein».

«Grosser Druck»

Was unter Freunden als harmloser Party-Scherz durchgehen mag, war für die Öffentlichkeit und die Leitung der Universität zu viel. «Falwells 13 Jahre als Präsident haben der Universität einen noch nie gesehenen Erfolg beschert. Unglücklicherweise bringt dieser Erfolg und die Leitung einer grossen und wachsenden Organisation auch grossen Druck mit sich», erklärte Jerry Prevo, Vorsitzender des Kuratoriums der Liberty University in einer Erklärung am letzten Freitag. «Heute haben die Leitung der Universität und Jerry gemeinsam beschlossen, dass es gut für ihn ist, einen Urlaub auf unbestimmte Zeit zu nehmen».

«Es gibt Grenzen»

Die Liberty University hat, wie andere christliche Ausbildungsstätten auch, einen strikten Verhaltenskodex, um «Christus-zentrierte Männer und Frauen mit den nötigen Werten, dem Wissen und den Fähigkeiten auszubilden, die nötig sind, um einen Einfluss in der Welt auszuüben». Studenten und Dozenten haben nun den Eindruck, dass Falwell diese Regeln verletzt. «Er ist halt Politiker und ein Kämpfer» kommentiert David Sosin, Dozent an der Liberty University. «Aber ich bin dankbar, dass er zurücktritt.» Wenn auch viele Bemerkungen Falwells unverhältnismässig kritisiert würden, erklärte Sosin: «Wir haben ein neues Mass an Gründlichkeit, mit dem wir Leute, Leiter und Politiker messen».

In den letzten Monaten war Falwell negativ durch ein Twitter-Bild aufgefallen, in dem er einen Schwarzen neben einem Ku-Klux-Klan-Kopf abbildete; er entschuldigte sich später dafür. Auch seine Entscheidung, im März, mitten in der Corona-Krise, die Universität wieder zu öffnen, stiess auf Kritik. Aber es war dieses Instagram Bild, das den Bogen nun überspannte. «Es gibt Grenzen», kommentiert Grant Wacker, emeritierter Professor an der Duke Divinity School. «Evangelikale vergeben ziemlich viel. Aber sexuelle Anzüglichkeiten dieser Art sind so hart an der Grenze, und es gibt so viele Ebenen hier, das ist schon ziemlich schlimm.» Und Professor Anthea Butler von der Universität von Pennsylvania, ergänzt: «Ich weiss nicht, ob eine säkuläre Institution einem Universitätsrektor so etwas durchgehen lassen würde – warum sollte es eine christliche tun?»

Erlösung ist möglich

Die Familie Falwell ist seit 1669 eine respektierte Sippe in Lynchburg, Virginia. Am Sonntag sprach dann auch Pastor David Weber in der lokalen «Rivermont Evangelical Presbyterian Church» über «Erlösung». Pastor Mike Dodson von der «Tree of Life»-Gemeinde ergänzte, dass Erlösung harte Arbeit bedeute. Für den Moment sei Jerry Falwell seiner Aufgabe nicht gewachsen, aber wenn er sich demütigen würde, könne er vielleicht seine Position wiedererlangen.

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