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«Jetzt erst recht!»

Sollte man 1939 noch eine Kirche bauen?

Ausgerechnet als die Reformierten in Wangen bei Olten ihre Kirche aufbauen und einweihen wollten, stürzte die Welt in den Zweiten Weltkrieg. Was dann geschah, kann uns gerade in der heutigen Krisenzeit ermutigen.

Reformierte Kirche Wangen bei Olten
Quelle: Screenshot Youtube
Bruno Waldvogel-Frei
Quelle: brunowaldvogel.ch

«Es ist ein schlichtes und unauffälliges Gebäude», sagt Bruno Waldvogel, Pfarrer in Wangen bei Olten, über die Reformierte Kirche Olten. «Ein einfaches Haus mit einem Satteldach und einem kleinen Turm mit ein paar Glocken. Gebaut mit billigen Backsteinen und einer schlichten Holzdecke.» Es erinnere an die ersten Reformierten im Raume Olten: Eisenbahner.

Mit vielen anderen Kirchen könne sie es nicht aufnehmen, sie müsse sogar gesucht werden. «Man findet sie eingeklemmt zwischen Bahngeleise und Fussballplatz. Doch ich habe mich gleich in sie verliebt.»

1939 hätte der Bauabschluss sein sollen

«Früher trafen sich die Reformierten in Werkhallen und Restaurants zu Gottesdiensten. Lange hofften sie auf einen Raum, doch sie waren arm.» Geld wurde gesammelt und irgendwann konnte ein Stück Boden erstanden werden.

«Irgendwann war alles bereit für den Bau – doch da verdüsterte sich der Himmel.» Politische Unruhen und mit einem Schlag wurden allen klar, dass es nur noch kurze Zeit dauert, bis die Menschheit in den Zweiten Weltkrieg stürzt. «1939 hätte der Bauabschluss erfolgen sollen, doch nun mussten die Männer in den Militärdienst.»

1940 eingeweiht

Die Generalmobilmachung erfolgte und alles wurde rationiert. «Alle fragten sich: Kann man vor einem Weltkrieg eine Kirche bauen und feiern – was macht das für einen Sinn?» Bruno Waldvogel freut sich über die Reaktion der damaligen Reformierten: «Sie sagten: 'Und jetzt erst recht' oder 'Wenn nicht jetzt, wann dann?'»

Also wurden die Abschlussarbeiten gemacht und die Kirche wurde 1940 eingeweiht. «Für die Menschen damals war klar, dass es diesen Ort braucht, um die Sehnsüchte von Geist und Seele zu sättigen – was mit materiellen Mitteln nicht zu haben war.»

Das erinnere an das Evangelium. «Jesus war auf den ersten Blick ein schlichter Zimmermann. Doch wer sich auf ihn in eine direkte Beziehung einliess, erlebte Wunder über Wunder. Gottes Sohn kam schlicht daher … aber was für eine Liebe und Kraft lag in ihm.»

Das Evangelium bringe auch heute «unvergängliche, ewige Freude und ewiges Leben».

Zur Webseite:
Ev.-Ref. Kirchgemeinde Olten

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