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Das Franziskus Komplott

Franziskus immer noch «unter den Wölfen»

Er gilt als «evangelikaler Papst» und will die katholische Kirche tiefgreifend reformieren. Doch oft muss er sich vorkommen wie Daniel in der Löwengrube. Marco Politi beschreibt im «Das Franziskus Komplott» den oft einsamen Kämpfer.

Marco Politi
Quelle: Youtube Screenshot
Buchcover «Das Franziskus Komplott»
Quelle: Herder

Mit dem schon 2014 erschienenen Buch «Franziskus unter Wölfen» hat der deutsch-italienische Vatikan-Kenner Marco Politi schon einmal beschrieben, gegen welche Widerstände Papst Franziskus mit seinen Reformbemühungen ankämpfen muss. Denn er kämpft einen Zweifronten-Krieg, wie Politi anschaulich darlegt: «Im Innern verurteilt Franziskus mit aller Schärfe die 'aseptische Moral' und den Klerikalismus, den er als Machtideologie und sogar als echte Perversion der kirchlichen Institution definiert. Und ausserhalb der Kirche prangert er systematisch die Ausbeutung der Menschen durch eine finanzielle und technologische Ideologie an, die nicht auf die Anforderungen einer sozialen Marktwirtschaft achtet.» Sein Ziel ist eine Kirche, die den Menschen im 21. Jahrhundert gerecht wird, damit verbunden ein Abbau an Klerikalismus, Zentralismus und Dogmatismus. Die Menschen, welche die Kirche repräsentieren, sollen auch Vorbilder im Glauben und Leben sein, wie es Franziskus selbst immer wieder mit beispielhaften Aktionen vormacht.

Überforderte Kirchenleute

Damit löst er viele Ängste und Widerstände aus und überfordert so manch einen Bischof oder Priester, denen er zuweilen auch die Leviten liest. Aber auch Politiker wie den Lega Chef Matteo Salvini macht er mit seinen Äusserungen zur Flüchtlingspolitik zu Feinden. Und dann hat er mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Kirchenleute bis hinauf zu hohen Würdenträgern, gegen Finanzbetrügereien, die Blockadepolitik der Kurie einerseits und den Druck gegen schnelle Reformen zu kämpfen. Wie kann ein Mensch das alles stemmen?

Zu offen gegenüber andern Christen

Man wirft ihm auch seine Offenheit gegenüber Christen anderer Konfessionen und Prägungen vor, so zum Beispiel seine Teilnahme als Erzbischof von Buenos Aires 2006 an einer Konferenz mit evangelischen und katholischen Charismatikern und Pfingstlern, an der eine gemeinsame Erklärung verlesen wurde, die sämtliche konfessionellen Grenzen aufhob. Darin hiess es: «Wir sind gekommen um zu feiern, dass es eine einzige Kirche gibt, die aus allen besteht, die Jesus als den Herrn bekennen und die Taufe empfangen haben.»

Politi schreibt im Blick auf die Angriffe und Rücktrittsforderungen gegenüber Franziskus: «In der zweiten Hälfte seines Pontifikats scheint es völlig normal geworden zu sein, dass Kardinäle und Theologen den Papst öffentlich der Häresie beschuldigen und kein Hahn danach kräht.»

Zu wenig Unterstützung von seinen Anhängern

Doch der Papst sei, so Politi, davon überzeugt, «dass Gott immer grösser ist, als das, was wir vorhergesehen und vorausberechnet haben.» Er sei der Gott der Überraschungen, der neue Horizonte aufschliesst und uns mit immer neuen Situationen konfrontiert. Marco Politi zitiert abschliessend den Theologen Hans Küng, der bedauert, dass die Unterstützer von Franziskus sich nicht deutlicher und vernehmbarer für ihn einsetzen und kommt zum Schluss: «Wir müssen Franziskus die Stange halten.»

Das Buch liest sich wie ein Krimi und gibt viel Einblick in die Probleme und Herausforderungen, denen sich die römisch-katholische Kirche und ihr Oberhaupt stellen müssen.

Zum Buch:
«Das Franziskus Komplott»

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