Gerhard Schnetzler

Er wollte nur für kurze Zeit in die Berge ziehen

In seiner Jugend verschlägt es den gebürtigen Schaffhauser Gerhard «Gega» Schnetzler (50) in die Berge nach Davos. Dort findet er die Liebe seines Lebens. Heute, knapp 30 Jahre später, kurvt er mit dem Postauto durchs Bündnerland.
Gerhard «Gega» Schnetzler
Seit Frühling 2021 ist Gerhard Schnetzler als Postauto-Chauffeur in der Region Davos unterwegs.

In seiner Jugend verschlägt es den gebürtigen Schaffhauser Gerhard «Gega» Schnetzler (50) in die Berge nach Davos. Dort findet er die Liebe seines Lebens. Heute, knapp 30 Jahre später, kurvt er mit dem Postauto durchs Bündnerland.

Gerhard Schnetzler wächst auf einem Bauernhof im Schaffhauser Klettgau zusammen mit vier älteren Brüdern auf. Von klein auf lernt er bei seinen Eltern den christlichen Glauben kennen. In einem Jungscharlager trifft er mit 13 die Entscheidung, sich in seinem Leben voll auf Jesus einzulassen. Nur ein Jahr nach seiner Schreinerlehre in Hallau bewegt ihn der Wunsch, für eine kurze Zeit in die Berge zu ziehen. Im Oberengadin erkundigt sich Gerhard, ob eine Jungschar Verstärkung bräuchte – und erfährt wenig später: «In Davos suchen sie dringend einen Jungscharleiter!»

Davos hat Gerhard nicht auf dem Radar gehabt. Er nimmt sich eine Bedenkzeit und schliesst mit Gott einen Deal ab. Gott soll sich um Wohnung und Job kümmern, wenn dies der richtige Weg sei. Derweil reist Gerhard für eine Weile ins Ausland. Als er in die Schweiz zurückkehrt, liegen zwei Angebote auf dem Tisch: ein Job bei einer kleinen Schreinerei sowie eine Studiowohnung. So zieht er Anfang 1993 ins Bündnerland und stellt sich auf drei Junggesellenjahre ein. Doch wie heisst es so schön: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…

Ein Ort zum Verlieben

Nach kurzer Zeit lernt Gerhard «Gega» Schnetzler in Davos Christine kennen. Die beiden verlieben sich und heiraten im Juni 1995. In der höchstgelegenen Stadt Europas fühlen sie sich so wohl, dass sie beschliessen, in Davos zu bleiben. Zwei Jahre später kommt Rahel zur Welt, 1999 Michael. Gerhard engagiert sich stark im gesellschaftlichen Leben vor Ort, sei es bei der Feuerwehr, in der er sich zum Fahrer von Feuerwehrfahrzeugen (Prüfung C1) ausbilden lässt, in der Freikirche FEG Davos, in der er zunehmend verantwortungsvolle Aufgaben übernimmt, oder im Sport. Dieser wird im Tourismusort grossgeschrieben. Gega investiert sich als Trainer beim FC Davos, Funktionär Spielbetrieb beim HC Davos und JO-Leiter im Ski Club.

Gerhard Schnetzler liebt es, wenn etwas läuft und er unter die Leute kommt. «Ich bin generell ein geselliger Typ und geniesse es, mit Kollegen ein gutes Glas Wein oder ein Bier zu trinken.» Geselligkeit, Vereinsaktivitäten, Job und Familie unter einen Hut zu bringen, fordern ihn auch als Christ immer wieder stark heraus. «Oft klagte ich mich selbst an und fühlte mich nicht würdig, von Gott geliebt zu werden, wenn die Woche mal wieder ausgefüllt war und ich kaum Zeit für Gott und meine Familie hatte.» Der 50-jährige Wahlbündner spricht offen und ehrlich über seine Erfahrungen im Leben, inklusive den Kämpfen im Glauben. Manchmal überfordere er mit dieser Ehrlichkeit auch seine Freunde im kirchlichen Umfeld, bekennt Gerhard Schnetzler. «Aber so bin ich nun mal. Das gehört zu mir.»

18 Jahre in der Davoser Feuerwehr

Als sehr prägend bezeichnet er die 18 Jahre in der Feuerwehr von Davos. «Nur vier Tage nach der Geburt unserer Tochter wurde ich bei der Feuerwehr rekrutiert. Dort konnte ich viele schöne Beziehungen knüpfen, wertvolle Führungserfahrung sammeln und nicht zuletzt den Führerausweis für Lastwagen erwerben.»

Auch beruflich bleibt es bei Gerhard Schnetzler spannend: Nach einigen Jahren in der Schreinerei Ardüser folgt der Wechsel zur Künzli Holz AG, einer international tätigen Schreinerei, für die er in der ganzen Ostschweiz und teilweise im Ausland unterwegs ist (z. B. in Norwegen und Irland). Erst als körperliche Probleme zunehmen, fragt sich Gerhard, wie es im letzten Drittel seines Erwerbslebens weitergehen soll. «Mir wurde bewusst, dass ich etwas ändern musste, um nicht auszubrennen. In dieser Zeit betete ich oft und bat Gott, mich zu führen». So kommt es, dass er die Gelegenheit packt, als Postauto-Chauffeur quereinzusteigen.

Neuer Arbeitsort: Postauto

Rückblickend sehe er in vielen Stationen seines Lebensweges, wie Gott die Fäden in der Hand hielt und ihn führte, so Gerhard Schnetzler. Bei seiner beruflichen Neuorientierung sei ihm besonders bewusst geworden: «Mein grosser Vorteil bei der Bewerbung als Postauto-Chauffeur war das Lastwagenbrevet aufgrund meiner Tätigkeit bei der Feuerwehr.» Inzwischen hat Gerhard die entsprechenden Fahrstunden und Theorieprüfungen für Postauto-Chauffeure absolviert und erfolgreich bestanden.

Seit dem 3. Mai 2021 ist Gerhard als Postauto-Chauffeur in der Region Davos unterwegs: «Was für ein Privileg, dass ich heute in meinem Job jeden Tag die schöne Natur bewundern kann. Ich staune, wie unser Schöpfer die Berge, Bäume und Bäche geschaffen hat. Für mich ist klar: Das kann nicht durch einen Urknall entstanden sein. Unmöglich!» Die Freude an der Natur lebt Gerhard Schnetzler gerne auch bei einer Bike-Tour oder beim Skifahren aus – am liebsten zusammen mit seiner Familie.

So dreht er heute, 30 Jahre nach seiner Berufslehre in Hallau, zufrieden seine Runden mit dem Postauto. Die Frage, wo er sich zu Hause fühle, stellt sich schon lange nicht mehr. Seine Welt sind die Bündner Berge. «Jedes Mal, wenn ich ins Flüela- oder Sertigtal fahre, staune ich über die Stimmungslagen, die Wolken und die Sonne. Dann steigt ein Gefühl der Dankbarkeit in mir auf – Dankbarkeit für diese überwältigende Schönheit!»

Dieser Artikel erschien zuerst in der Jesus.ch-Print «Hope-Stories» Davos-Klosters.

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Datum: 11.01.2022
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Jesus.ch-Print

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