Wenn Glaube oberflächlich ist

Livenet-Talk: «Echt und stark» mit Thomas Härry

Wie wird mein Glaube alltagserprobt und krisentauglich? In seinem Buch «Echt und stark» geht Thomas Härry auf diese Frage ein und betont, wie wichtig es ist, sich ums eigene Herz zu kümmern.
Thomas Härry

«Das Buch ist eng umwoben mit meiner Geschichte», sagt Härry über «Echt und stark», welches dieses Jahr neu aufgelegt wurde. Insbesondere beleuchte es das Thema des Scheiterns und wie er den Weg daraus gefunden hat. «Das ist inzwischen die zehnte Auflage und das Buch hat schon ein gewisses Alter. Deshalb brauchte es jetzt mal ein paar Überarbeitungen.»

Ein Buch über Aspekte des geistlichen Lebens

Das Buch «Echt und stark» beleuchtet verschiedene Aspekte des geistlichen Lebens und betont besonders die Wichtigkeit, sich ums eigene Herz zu kümmern und Erfahrungen der Vergangenheit unter die Lupe zu nehmen. «In den vergangenen Jahrzehnten wurden die geistlichen Übungen stark betont. Das sind Gebet, Gemeinschaft, Dienst und das Meditieren von Gottes Wort. Dabei hat man vielleicht etwas ausser Acht gelassen, dass dies alles ein äusserer Vollzug des Glaubens ist, der zwar gut und wichtig ist. Letztlich geht es aber nie um diese Dinge an sich.» In seinem Buch wolle er diese Aspekte berücksichtigen, diese jedoch auch in Zusammenhang mit dem menschlichen Herz, der Persönlichkeit und der eigenen Geschichte bringen.

Wir brauchen ein ständiges Ändern unseres Denkens

Beim Lesen der Geschichten des Neuen Testaments stellt Thomas Härry fest, wie die Jünger täglich herausgefordert waren, ihre Vorstellung des Lebens zu korrigieren. Sie wollten selbst gross herauskommen und diese Haltung betrifft uns ja alle irgendwie. «Jesus hat dies dauernd korrigiert und für die Jünger war dies ein schmerzhafter Weg.» Es gibt auch Menschen, die dazu neigen, sich selbst ständig in Frage zu stellen und abzuwerten. «Diesen Menschen muss anders begegnet und ihr Wert als Mensch bestätigt werden.» Es ist wichtig zu wissen, wer ich bin in meiner Einzigartigkeit. Gleichzeitig gehe es letztlich eben nicht um uns selbst. Diese beiden Aspekte will Härry gleichermassen betonen.

Ein herausforderndes Vorbild

«Ich habe mich ein paar Jahre lang intensiv mit Sadhu Sundar Singh, dem indischen Wandermönch, der auf spektakuläre Art zum Glauben an Jesus Christus fand, auseinandergesetzt. Dabei habe ich gemerkt, dass er etwas verkörpert, wonach ich mich sehne. Nämlich eine ganz tiefe Bereitschaft, sich auf Jesus Christus einzulassen.»

Die Erfahrung von Sundar Singh zeigte Härry einmal mehr die Wichtigkeit, sich von Jesus nicht nur oberflächlich berühren zu lassen. «Ich lese gerne und viel in der Bibel und unterrichte auch gerne. Trotzdem ringe ich immer wieder darum, dass das, was ich lese und worüber ich mich auch freue, echte Konsequenzen hat auf die Art wie ich denke, fühle, rede und handle.» Er meint, dass wir ein Stück weit in einer institutionalisierter Religion leben, worin der Glaube immer eine Rolle spielt, oft aber nur eine Randrolle. Härry nimmt die Herausforderung für sich selbst an, dass der Glaube das ganze Leben durchdringen soll.

Mit Freunden das Leben teilen

Das Gespräch geht dann auf verschiedene Themen des Buches ein. So werden zum Beispiel Freundschaften oder Kleingruppen angesprochen. Gemeinsam mit Freunden soll den tiefen, persönlichen Lebensfragen nachgespürt werden. Härry empfiehlt kleine Gruppen des gleichen Geschlechts. So ist ein vertrauter Rahmen am besten möglich.

Thomas Härry lässt sich nicht stressen, wenn er mit gewissen Punkten noch Mühe hat. Er will aber dran bleiben und Schritte vorwärts gehen. Und manchmal sei es auch gut, sich zu erinnern, was Gott im eigenen Leben schon gewirkt hat.

Den kompletten Livenet-Talk mit Thomas Härry können Sie hier ansehen:



Zum Thema:
Dossier Livenet-Talk
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Datum: 17.07.2021
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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