Wie Staatsanwältin Rätsel der Bibel löst
«Die Geschichte von Jesus, der als Unschuldiger von so vielen Menschen vorverurteilt und schliesslich sogar zum Tode verurteilt wurde, zeigt, dass es wichtig ist, nicht vorschnell ein Urteil zu fällen und neutral zu ermitteln. Dies, auch wenn manchmal von aussen schon ganz viele Einflüsse kommen», erklärt die Staatsanwältin Janine Anliker im «Thurgauer Kirchenbote». Das ist auch in ihrem Beruf sehr wichtig: Man muss sich immer ein Bild von den Gesamtumständen und von der beschuldigten Person selbst machen: «Es ist nicht immer einfach, bei unterschiedlichen Aussagen, Darstellungen, Interpretationen, etc. herauszufinden, was sich nun wirklich zugetragen hat. Hier ist eine offene Einstellung ohne Vorurteile und eine Ermittlung in alle relevanten Richtungen wichtig.» Passend dazu zitiert sie den Vers aus Sprüche 18,17: «Wer als Erster vor Gericht aussagt, scheint recht zu haben; dann aber kommt sein Gegner und zeigt die andere Seite auf.»
Mit Tatorten vertraut
Janine Lanker ist Mutter und Staatsanwältin mit Leib und Seele. Die Juristin hat Wurzeln in einer Thurgauer Kirchgemeinde, wohnt im Kanton Appenzell Ausserrhoden und ist im Rheintal tätig. Tatorten kann Lanker durchaus etwas Gutes abgewinnen: «Tatorte gehören zu meinem beruflichen Alltag: Jede strafbare Handlung, welche ich zu untersuchen habe, wurde an einem bestimmten Ort, dem Tatort, begangen. Aber auch zu Hause treffe ich hin und wieder einen ‘Tatort’ an, wenn mein kleiner Sohn zum Beispiel mal wieder das Badezimmer geflutet oder sonst irgendein Chaos verursacht hat.»
Insbesondere während dem Pikettdienst rücke sie an Tatorte aus, so beispielsweise bei schweren Unfällen, aussergewöhnlichen Todesfällen oder schwereren Gewaltdelikten. In diesen Fällen ist der Tatort oftmals auch ausschlaggebend für die Spurensicherung und damit ein wichtiger Teil der Beweismittelsammlung. In den meisten Fällen bestimmt der Tatort die örtliche Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft. Am Tatort macht man sich ein Bild von den Geschehnissen. Die Staatsanwältin hat teilweise unter Beizug von Fachpersonen wie Gutachtern oder von der Kriminalpolizei zu ermitteln, was vorgefallen und wer dafür verantwortlich ist.
Tatorte in der Bibel
Die Bibel steckt voller Verbrechen: Geschichten von Mord und Totschlag, Betrug, Flucht, usw. Vielfach werden uns sogleich auch die Motive wie Eifersucht, Hass oder Angst geliefert. Man kann also sagen, dass die Bibel gefüllt ist mit Kriminalgeschichten. Auch Janine Anliker bleiben von bestimmten Tatorten in der Bibel auch Fragen zurück: «Manchmal kommt die Frage auf, ob Gott in den einen Fällen zu hart geurteilt hat – so etwa in der Geschichte von Noah und der Sintflut oder von Sodom und Gomorra – und in anderen zu leicht, wie beispielsweise bei Jakob, welcher Esau mit einer List um den Segen seines Vaters betrog und danach trotzdem reich beschenkt wurde. Allerdings lehrt uns die Bibel, dass Gott gerecht und allwissend ist. Und da er eben alles weiss, dürfen wir glauben, dass er nicht falsch urteilt.»
In der Bibel ist der Hügel von Golgatha für Janine Anliker der wohl bedeutsamste Tatort: Jesus wurde dort ans Kreuz genagelt. «Wenn man bedenkt, dass er unschuldig war, ist das echt schlimm. Für uns Menschen bringt aber genau diese Tat ein Happy End mit sich: Nur so haben wir die Chance erhalten, vor Gott bestehen zu können», sagt die Staatsanwältin. Sie zitiert dazu 2. Korinther Kapitel 5, Vers 21: «Denn Gott hat Christus, der ohne Sünde war, mit all unserer Schuld beladen und verurteilt, damit wir freigesprochen sind und vor ihm bestehen können.»
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Autor:
Markus Baumgartner
Quelle:
Dienstagsmail