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Von Sexsucht gefangen

Ein Pastor wird frei

Pornografie hatte Pastor Nate Larkin fest in der Hand. Er kreierte den «heiligen Nate», den perfekten Pastor – doch zu Hause und in der Freizeit konnte er den heiligen Nate nicht am Leben halten. Seine grösste Angst war, den guten Ruf zu verlieren… Hier erzählt er seine Geschichte.

Nate Larkin
Quelle: billygraham.org
Nate Larkin
Quelle: natelarkin.com

Ein guter Ruf war mir das Wichtigste. Ich arbeitete daran und schützte ihn – und deshalb gab es Bereiche in meinem Leben, die niemand sehen durfte. Einige Kämpfe musste ich halt allein durchstehen. Ich dachte, dass an dem Tag, an dem meine Geschichte ans Licht kommt, mein Dienst für Gott vorbei wäre. Dabei war das der Tag, an dem er überhaupt begann…

Angeekelt – und fasziniert

Auf einer Reise nach New York City, die von einer christlichen Organisation durchgeführt wurde, sah ich zum ersten Mal Hardcore-Pornografie, zusammen mit meiner Frau. Auf einer Tour zum Times Square wurde uns gezeigt, wie Frauen von der Sexindustrie ausgebeutet werden. Was ich sah, schockierte mich, ekelte mich – aber irgendwie faszinierte es mich auch, liess mich nicht los. Ich wurde besessen von Pornos, und diese Besessenheit brachte mich an Orte, an die ich nie im Leben gelangen wollte… Mit einem Mal war ich ein Pastor, verheiratet, drei Kinder, der auf dem Weg zum Weihnachtsgottesdienst seine erste Prostituierte abholte.

Ich war letztlich nur fünf Jahre Pastor. Ich wurde zwar nie erwischt, hatte aber unglaubliche Angst, meinen Ruf zu verlieren. Mein Leben war ausser Kontrolle geraten – und ich verlor jegliche Hoffnung, irgendwann damit aufhören zu können. Also kündigte ich den Pastorenjob und stürzte mich ins Geschäftsleben – erfolgreich. Aber das war auch das einzige, worin ich erfolgreich war…

Wir wurden alle für Intimität geschaffen, aber Intimität ist risikoreich: Menschen können uns ablehnen, können plötzlich verschwinden, sterben… Pornografie bietet dagegen diese künstliche Intimität ohne Risiken. Jeden Tag grüsste ich eine Frau, die mich nicht auslachte oder die mich scheinbar attraktiv fand – und jeden Tag gab ich damit ein Stück von mir weg. Jedes Mal war ich hinterher leerer und hungriger als zuvor, und trotzdem kam ich immer wieder.

Ein unbeantwortetes Gebet

In diesen düsteren Jahren wurde mein Leben immer kleiner. Ich hasste das, was ich da tat. So oft schrie ich Gott an und hämmerte auf das Lenkrad, wenn ich wieder an einem Ort gewesen war, an den ich nicht hätte gehen sollen: «Gott, nimm das weg von mir! Ich will das nicht mehr…» Er antwortete nie darauf – und ich schloss daraus, dass es ihm entweder egal ist, oder dass er gar nicht existiert. Heute bin ich so froh, dass er nie geantwortet hat.

Erwischt

Mir war überhaupt nicht bewusst, was ich meiner Frau damit antat, bis sie mich irgendwann erwischte. Ich weiss nicht, wie lange sie schon dastand, aber sie weinte. Ich entschuldigte mich, wir sprachen darüber, aber ich hatte immer noch Angst. Einige Tage später fand sie ein Kondom auf dem Badezimmerboden… Diesmal weinte sie nicht. Sie sagte nur: «Es ist aus! Ich liebe dich immer noch, aber ich mag dich nicht mehr, ich vertraue dir nicht mehr, ich respektiere dich nicht mehr… und ich glaube nicht, dass du dich ändern kannst.»

Mit diesen Worten rettete sie mein Leben. Es musste so weit kommen, bis ich mich endlich aus meiner privaten Zone herauswagte. Ich wusste: Wenn ich meine Ehe retten wollte, musste ich etwas tun, was ich noch nie zuvor getan hatte. Ich musste jemandem davon erzählen und Hilfe suchen. Ich suchte nach einem Kontakt und hörte von einem Zwölf-Schritte-Treffen für Sexabhängige in einer Kirche in der Nähe. Und was ich dort in dem Kellerraum fand, veränderte mein Leben – nicht sofort, aber innerhalb von drei Jahren war ich frei.

Freiheit

Freiheit bedeutet, in der Wahrheit zu leben, im Licht zu leben, egal wie dich andere Leute sehen. Und zu wissen, dass ich nicht irgendetwas vormachen muss, um angenommen zu werden. Ich fühlte mich immer schlecht, weil ich kein besserer Mensch war. Ich erschuf sogar diese falsche Persönlichkeit, den «heiligen Nate»… Ich fühlte mich schlecht, dass dieser heilige Nate irgendwie nur innerhalb der Kirche existieren konnte. Heute weiss ich, dass Jesus den heiligen Nate nie geliebt hat, weil er ihn gar nicht geschaffen hat. Er hat mich geschaffen. Jesus liebt mich, er will eine Beziehung mit mir – und das ist die einzig wahre Beziehung, die es gibt.

Es ist so befreiend, wenn du an einen Ort kommst, der sicher genug ist, um dein wahres Ich zeigen zu können. Solch einen Ort erlebte ich bei den Treffen mit anderen Männern – und dasselbe mache ich jetzt für andere. Beim Kaffee erzähle ich meine Geschichte. Und obwohl meine Geschichte anders ist als die meines Gesprächspartners, klingt doch irgendetwas davon in ihm wieder. Und am Ende sagt der andere so oft: «Ich habe das noch nie jemandem erzählt, aber…» Und damit beginnt auch für ihn die Freiheit.

Ein neuer Dienst

Durch meine Abhängigkeit weiss ich heute, dass Gott allein das Zentrum aller Dinge ist. Er hat meine Abhängigkeit sogar zum Guten gebraucht. Gott ist gut, Gott ist Liebe, und wenn ich jeden Tag auf dem Weg gehe, den er mir vorbereitet hat, kann ich jeden Tag in der Wärme seiner Liebe leben und sie anderen weitergeben.

Ich glaube, ich habe Jesus nie wirklich kennengelernt, bis ich meine «heilige Kirchenpersönlichkeit» hinter mir gelassen habe und zu einem ganz normalen gebrochenen Mann wurde. In dem Moment wurde Jesus für mich Wirklichkeit.

Die Arbeit, die ich heute mache, war so nicht geplant. Aber ich weiss, dass es mein Dienst ist – meine Frau auch. Wir setzen uns gemeinsam dafür ein. Heute sagt meine Frau, dass sie mit zwei Nate Larkins verheiratet war. Und obwohl die ersten zwanzig Jahre so schwierig waren, würde sie sie noch einmal durchleben, wenn sie dadurch die letzten zehn erleben darf.

Heute leitet Nate Larkin die «Samson Society», eine Gemeinschaft von Männern, Christen, die sich gegenseitig unterstützen, Rechenschaft ablegen und helfen, frei von Sexsucht zu werden. Seine Frau unterstützt ihn in dieser Arbeit.

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