30 Jahre IGW

Rektor Michael Girgis über Highlights und Veränderungen

Das Bildungsinstitut IGW revolutionierte die theologische Bildung mit einem völlig neuen Konzept. IGW-Rektor Michael Girgis: «Das eigentliche Highlight waren und sind aber unsere 400 aktuellen Studierenden und unsere rund 900 Absolvierenden.»
Michael Girgis

Das Bildungsinstitut IGW revolutionierte die theologische Bildung mit einem völlig neuen Konzept. IGW-Rektor Michael Girgis: «Das eigentliche Highlight waren und sind aber unsere 400 aktuellen Studierenden und unsere rund 900 Absolvierenden.»

Michael Girgis, IGW ist nun 30jährig – was sind die Highlights der IGW-Geschichte?
Michael Girgis:
1991 sorgte IGW mit einer neuartigen Idee von theologischer Ausbildung für Aufregung. Was würde wohl geschehen,

  • wenn Leiterinnen und Leiter praxisorientiert und dual ausgebildet werden würden?
  • wenn sie neben drei Tagen Studium am IGW mindestens zehn Stunden pro Woche Praxisarbeit in ihrer Gemeinde oder ihrem Werk verrichten würden?
  • wenn ihr Studium nicht nur ein, sondern drei Lernfelder, nämlich Theologie, Praxis und Persönlichkeit beinhalten würde?

Was folgte, war sehr faszinierend und beglückend. Die Idee von Heinz Strupler machte Furore und IGW wuchs in nur gerade zehn Jahren auf über 300 Studierende an und damit zur grössten theologischen Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Europa.

Weitere Highlights folgten: Die Lancierung der Weiterbildungsangebote für Pastoren und die Einführung der Fernstudienangebote, die Expansion nach Deutschland ab 2003 und Österreich ab 2013 sowie die grosse Studienreform 2015 mit zahlreichen grundlegenden Neuerungen wie E-Learning, Kompetenzorientierung und viele neue Studiengänge mit neuen Curricula.

Das eigentliche Highlight waren und sind aber unsere 400 aktuellen Studierenden und unsere rund 900 Absolvierenden: Ihre persönliche Entwicklung in der Zeit der Aus- und Weiterbildung sowie die Spuren, die sie in ihrer Kirche oder ihrem Werk hinterlassen. Jede und jeder Einzelne hat einen Weg zurückgelegt, um heute da stehen zu können, wo sie oder er steht. Ihre individuelle Entwicklung mitprägen zu dürfen, ist unsere Aufgabe und unsere Leidenschaft. Für sie tun wir, was wir tun. Sie sind die Heldinnen und Helden. Und wir lieben es, sie zu dem zu ermutigen, wozu sie berufen sind.

Was haben IGW-Absolventen anschliessend für Spuren hinterlassen, sei es durch Gemeinde- oder Werksgründungen und so weiter?
Ausserordentlich viele unserer Absolvierenden sind während und auch nach ihrer Zeit am IGW in leitenden Funktionen tätig. Rund 70 Prozent sind nach wie vor im vollzeitlichen Dienst. Die wichtigsten Tätigkeiten unserer Absolvierenden sind: Pastorendienst, Gemeindeleiter (45 Prozent), Sozialdiakon (19 Prozent), Jugendpastor (16 Prozent), Missionar (9 Prozent), Werksleiter (8 Prozent) und Gemeindegründer (3 Prozent). Besonders beglückend sind für mich natürlich die Gemeinde- oder Werksgründungen, die ich selber miterleben konnte. Einige Beispiele: Die Gründung und Entwicklung des ICF Movements (durch Leo Bigger), die Gründung der Godi-Arbeit (durch Susanne und Michael Hodel sowie Peti Bruderer), die Gründung des Projekts Heartwings (durch Peter Widmer), die Gründung der Arche Kreuzlingen (durch Matthias Wegmüller) und vieles mehr. Die Liste liesse sich noch lange fortführen.

Wie hat sich die IGW-Arbeit verändert? Beim Start waren zum Beispiel Festnetztelefone und Schreibmaschinen noch existent und gleich danach kamen Mobiltelefone und Internet auf und einige Zeit danach die sozialen Medien...
«Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.» Dieses Zitat von Heraklit ist über 2500 Jahre alt, aber aktueller denn je. Der permanente und rapide Wandel unserer Welt ist für IGW seit 1991 Aufgabe und Abenteuer zugleich. Es ist unser Wunsch und unsere Aufgabe, Schritt zu halten und IGW immer wieder optimal auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen. In den letzten 30 Jahren sind unter anderem folgende, technische Innovationen Realität geworden: 

  • mobile Computer (Laptops) im Unterricht, welche Handnotizen auf Papierblöcken ablösten.
  • das Internet (inkl. Wikipedia) und somit eine unvorstellbare allgemeine Verfügbarkeit von Wissen.
  • E-Learning und damit die vollständige Digitalisierung der Aus- und Weiterbildung (inkl. Abgabe von Arbeiten)
  • Videomodule und damit die Möglichkeit, völlig orts- und zeitunabhängig zu studieren.
  • Unterricht per Livestream oder in hybrider Form und damit die Möglichkeit, von überall auf der Welt an Vorlesungen teilzunehmen.

Doch damit ist ein grosser Teil der Veränderungen noch gar nicht aufgegriffen: Die Aus- und Weiterbildungen haben sich bezüglich Konzeption, Zielsetzung und Inhalt sehr stark verändert und weiterentwickelt (unter anderem Kompetenzorientierung und Bologna-Reform). Die Gemeinden und Kirchen, unsere Ausbildungspartner, bewegen andere Themen und Fragestellungen. Die Bedürfnisse und Anforderungen haben sich verändert. Das Berufsbild Pastor ist komplexer, breiter, vielfältiger und anspruchsvoller geworden. Und last but not least: Unsere heutigen Studierenden bringen andere Wünsche, Erwartungen und Fähigkeiten ins Studium mit. Vieles ist anders geworden und wird laufend neu anders. Dieser Wandel ist Jahr für Jahr eine Herausforderung. Er macht häufig aber auch Freude.

Was bewegt Sie bei Ihrer Arbeit persönlich?
Ich träume von einem Comeback des christlichen Glaubens und der Kirche in unserer Gesellschaft. Ich träume von relevanten und sprachfähigen Kirchen, die unsere Gesellschaft mitprägen. Ich glaube an die Zukunft der Kirche! Ich bin überzeugt, dass dies kein Traum bleiben muss. Deshalb setze ich alles daran, die Leiterinnen und Leiter von heute und morgen zu inspirieren, zu stärken und für ihren Dienst im Reich Gottes zu befähigen. Mich bewegen Geschichten von Menschen, die ihre individuelle Berufung entdecken und mutig leben. Mich bewegen Geschichten von Kirchen, die aufbrechen und neue Wege wagen. Mich bewegen Entwicklungen, die Gottes Reich auf dieser Welt sicht- und spürbar werden lassen und Hoffnung wecken. Ein eindrückliches und beglückendes Beispiel für mich ist das Manifest von Bern vom 17. September 2021 (Livenet berichtete). 

Was sind die nächsten Projekte von IGW?
Wie lautet das Evangelium, die gute Nachricht, für die Schweiz? Wie können wir unseren Glauben mit unserer postchristlichen, multireligiösen Gesellschaft teilen? Welche Leiterinnen und Leiter brauchen unsere Ausbildungspartner? Welche Kirchen braucht unser Land? Was hat Gott in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich vor? Wie können wir uns daran beteiligen? Was ist unser Beitrag zu einem Comeback des christlichen Glaubens und der Kirche in unserer Zeit? Diese und ähnliche Fragen bewegen uns auch im laufenden Studienjahr, und sie halten uns in Bewegung. Eines ist sicher: Es wird uns nicht langweilig werden. Die Reise bleibt spannend, herausfordernd und überraschend.  

IGW ist stetig gewachsen, neue Standorte kamen dazu – ist bereits ein nächster geplant?
Auf September 2021 haben wir das neuste IGW-Studiencenter im Hamburg eröffnet. Die Gründung findet in enger Kooperation mit der örtlichen Allianz statt. Wir sind offen für weitere Standorte in Deutschland und haben auch schon Ideen. Auf September 2022 ist ein weiteres, neues Studiencenter geplant.

Auch Fernstudien sind möglich, wo «sitzen» die geografisch entferntesten Studenten?
In Bolivien, Japan und USA.

Über Michael Girgis: Michael Girgis ist Rektor IGW D-A-CH, Co-Leiter der Vineyard Bülach und Coach, Jahrgang 1970, verheiratet, Vater von drei Töchtern, wohnhaft in Bülach ZH. Absolvierte ein Theologiestudium an der STH Basel und danach diverse Weiterbildungen im Bereich Coaching, Leiterschaft und Gemeindeentwicklung. Seit 2001 bei IGW tätig, seit Sept. 2016 als Rektor IGW D-A-CH. Zudem Co-Leiter der Vineyard Bülach.

Zur Webseite:
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Datum: 26.10.2021
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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