Sandro Singenberger

«Ich hasste die Menschen!»

Sexsucht, Okkultismus, Gewalt, Drogen, Depression – kein Dunkel, das er nicht kennt. Wer Sandro Singenberger (48) aus Frauenfeld heute begegnet und seine Geschichte hört, reibt sich die Augen.
Sandro Singenberger
Sandro Singenberger

Sexsucht, Okkultismus, Gewalt, Drogen, Depression – kein Dunkel, das er nicht kennt. Wer Sandro Singenberger (48) aus Frauenfeld heute begegnet und seine Geschichte hört, reibt sich die Augen.

Es ist ein steiler Start ins Leben. Sandro Singenberger wird 1973 in Frauenfeld geboren. Die Ehe der Eltern zerbricht, damals vierjährig kommt das Einzelkind zu den Grosseltern: «Meine Mutter musste arbeiten gehen, mein Vater fehlte mir schmerzlich. Ich war einsam und hungerte nach Liebe», beschreibt Sandro seine frühen Kinderjahre. Mit neun Jahren entdeckt er ein Sex-Handbuch. Die Faszination der Bilder und die vermeintliche Liebe «an und für sich» werden zur Fessel. Eine jahrzehntelange Sexsucht beginnt.

Ganz unten

Ab dem Jugendalter sind Discos und Nachtclubs sein zweites Zuhause. Sandro manipuliert, stiehlt, lügt und betrügt. Er präzisiert: «Nebst Pornografie konsumierte ich Drogen wie Cannabis und Alkohol und bediente mich okkulter Praktiken. Ich spielte mit der Dunkelheit, betrieb Magie, Voodoo und Zauberei, umschwärmte und verführte Frauen.»

Aus dem Spielen wird bitterer Ernst: «In alledem hoffte ich Erfüllung zu finden, dabei zog es mich immer tiefer in Leere und Depression. Ganz unten angelangt, hasste ich die Menschen abgrundtief, weil ich von niemandem Liebe erfuhr und Frauen, die ich liebte, mich eiskalt verliessen.» So fasst der gelernte Detailhändler die schwärzeste Zeit seines Lebens zusammen.

Verurteilt und gefesselt

Tief depressiv und gewaltgeladen hockt Sandro 2006 in einer Kneipe: «Es fehlte nicht viel, und ich hätte mein oder ein fremdes Leben ausgelöscht.» Im Lokal trifft er einen alten Bekannten. Der Mann erzählt Sandro sechs Stunden lang von Jesus. In derselben Nacht träumt der damals 33-Jährige: «Ich sitze schuldig gesprochen in einem Gerichtssaal, ein Häufchen Elend, hinter mir Menschen, die ich kenne, alle schwarz gekleidet. Da öffnet sich rechts eine Tür und eine grosse, helle Gestalt kommt auf mich zu. 'Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben', sagt sie. 'Jesus?! Ich brauche dich, ich will mit dir leben', flehe ich die Person an. Kaum ausgesprochen lösen sich meine Handschellen und Fussfesseln, der Richter und die Leute lächeln. Jesus führt mich aus dem Gerichtssaal hinaus. Alles ist gut.»

Aufgeregt schlägt Sandro Singenberger am Morgen eine Bibel auf: «Ich stiess exakt auf die Worte, die Jesus im Traum zu mir gesagt hatte (Johannes-Evangelium, Kapitel 14, Vers 6). Kein Zweifel! Er hatte mich aus der tödlichen Dunkelheit ins Licht geholt, ins Leben!» Sandro sucht sich eine Kirche und lässt sich taufen, sagt heute: «Das konnte mir nicht schnell genug gehen!»

Liebe, die alles erneuert

Sandros Wesen und Handeln verändern sich – ein schmerzhafter, aber heilsamer Prozess. Der Neustart in seinem Leben führt zum grossen Aufräumen. Es kostet Mut, die Liste ist lang. Sandro bittet sämtliche Personen, die er verletzt hat, ihm zu vergeben und vergibt seinerseits Menschen, die ihm wehgetan haben – auch seinem Vater und seiner Mutter.

Die Liebe, Freude und Freiheit, die Jesus ihm schenkt, überwältigen ihn. Er kann sie nicht verbergen, spricht mit Freunden und Fremden über seinen Glauben und betet mit ihnen. So läuft das auch mit Jeannine, die er 2013 heiratet und heute zwei Kinder mit ihr hat. «Gott ist gut. Zu jeder Zeit!», lautet das Credo von Sandro. Er lebt es seinem Sohn (7) und seiner Tochter (4) vor. Seit sie sprechen können, beten sie ungefragt, wenn es einer Person, die zu Besuch ist, nicht gut geht – und die Kinderworte wirken.

Leben und Licht für Fremde

Spätestens um 21 Uhr heisst es bei Singenbergers Lichterlöschen, auch für die Eltern. Ebenso diszipliniert steht der Familienvater um fünf Uhr auf: «Ich schätze die Stille des Morgens, lese in der Bibel, frage Gott, welche Pläne er heute für mich bereithält.» Er ist sehr sensibel auf himmlisches Reden und setzt um, was er hört. Das kann bedeuten, in ein Spital zu fahren, um einem wildfremden Sterbenden zurück ins Leben zu helfen: «Jesus hatte mir gesagt, ich würde für den Mann beten und drei Tage später mit ihm Kaffee trinken. So war es tatsächlich.» Sandro erzählt von seinem Erlebnis in einem Schuhgeschäft. Er sollte dort eine bestimmte Person ansprechen und ihr von der Hoffnung erzählen, die Jesus schenke. Auch diesen verzweifelten Mann fand Sandro.

Nicht minder eindrücklich erlebt der Hobbyfischer selbst, dass Gott «zu jeder Zeit gut ist» und für ihn und seine Familie sorgt. «Diese Versorgung, also meinen Glauben und mein Vertrauen, stellt Gott auch immer wieder auf die Probe», fügt Sandro an.

Beruflicher Neustart auf die harte Art

Nach zahlreichen Jahren Aussendienst im Werkzeughandel scheint 2016 die Zeit reif für einen beruflichen Neustart. Weil Sandro an seinem Glauben festhält, verliert er zweimal seine Stelle, wird von Gott jedoch beide Male darauf vorbereitet. So ist er gewappnet und gelassen, betet noch während der Entlassungsgespräche für seine Chefs.

Rückblende: 1996 sieht Sandro den Film «Outbreak». Darin bedroht ein Killervirus die Welt. Der damals 24-Jährige ist fasziniert, aber von anderen Mächten absorbiert. Das Thema bleibt in Herz und Hinterkopf und er hält sich all die Jahre über auf dem Laufenden. Nicht durch Zufall...

«Killerjob» ohne Knarre

Zurück zur Jobsituation: «Ich war arbeits- und ratlos, hatte keine Lust auf einen weiteren blauen Brief, sagte das Gott unmissverständlich», erzählt Sandro. Genauso klar lässt sein himmlischer Boss verlauten, nun stehe der Schritt in die Selbständigkeit an. Die Auflösung folgt unmittelbar. Gott nennt einem Freund der Familie in einem Traum den Namen der neuen Firma: Keimfrei24. Und so kommt es, dass Sandro heute, wie Dustin Hoffman 1996, im Schutzanzug mit diversen Mitteln Jagd macht auf Viren, Bakterien und Pilze. Sandro Singenberger hat grosse Freude an seiner Firma, krallt sich aber nicht daran. Er wäre jederzeit bereit, loszulassen, sagt: «Ich gehöre raus auf die Strasse, zu den Menschen, die im Dunkeln sitzen.»

Dieser Artikel erschien zuerst in der Jesus.ch-Print Nr. 57 

Hier erzählt Sandro Singenberger seine Geschichte bei WunderHeute TV:

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Datum: 22.01.2022
Autor: Manuela Herzog
Quelle: Jesus.ch-Print

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